Fallende Ölpreise und Tankrabatt: Inflation sinkt deutlich
Autor: Alexander Sturm und Christian Ebner, dpa
, Dienstag, 30. Juni 2026
Der Iran-Krieg hat die Inflation in Deutschland angefacht, Verbraucher spürten das gerade an den Tankstellen. Im Juni ebbte der Preisdruck ab. Doch nun läuft der preisdämpfende Tankrabatt aus.
Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im Juni mit dem Tankrabatt und fallenden Ölpreisen nicht mehr so schnell gestiegen. Die Inflationsrate beträgt im Vergleich zum Vorjahresmonat 2,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt auf Grundlage vorläufiger Daten berichtet. Der Preisdruck auf Verbraucher hat damit nachgelassen. Im Mai waren die Verbraucherpreise noch um 2,6 Prozent zum Vorjahresmonat gestiegen und im April sogar um 2,9 Prozent - die höchste Rate seit Januar 2024.
Insbesondere Tanken war mit dem Ölpreisschock wegen des Iran-Kriegs sprunghaft teurer geworden. Im Juni kosteten Haushaltsenergie und Sprit 3,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, so die Statistiker. Im Mai hatten die Energiepreise aber noch um gut 6,6 Prozent angezogen, im April waren es rund zehn Prozent. Insgesamt ließen die Verbraucherpreise von Mai auf Juni um 0,3 Prozent nach.
Inflationsschock ebbt ab
«Die Inflation ist im Juni vor allem wegen des gesunkenen Ölpreises zurückgegangen», sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. «Im Juli sollte sie aber wieder steigen, weil der Tankrabatt wegfällt.» Mit der Beruhigung im Nahen Osten ebbe der Inflationsschock ab, sagte Stephanie Schoenwald, Ökonomin bei KfW Research. Die Lage im Persischen Golf bleibe jedoch fragil.
Mit Entspannungssignalen im Iran-Krieg sind die Ölpreise deutlich gefallen. Mit rund 74 Dollar je Barrel Brent-Öl war Rohöl zuletzt ungefähr so teuer wie vor den Kämpfen im Nahen Osten, die die Ölpreise zeitweise auf mehr als 110 Dollar getrieben hatten.
Tankrabatt dämpft Inflation
Silke Tober, Ökonomin am Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, ist optimistisch: «Hält die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran an, dürfte sich sogar das Ende des Tankrabatts im Juli wegen der nun geringeren Rohölpreise nur wenig auf die Inflation auswirken.»
Um Verbraucher und Unternehmen bei den Spritkosten zu entlasten, hatte die Bundesregierung im Mai einen Tankrabatt eingeführt, mit der die Energiesteuer auf Diesel und Benzin um rund 17 Cent je Liter sank. Die Subvention, die an diesem Dienstag ausläuft, dämpft nach Einschätzung der Bundesbank die Inflation um etwa einen viertel Prozentpunkt und hatte schon im Mai die Teuerungsrate deutlich gedrückt.
Im Juni lagen die Spritpreise deutlich unter dem Niveau von Mai, zeigen Daten des ADAC. In den ersten 29 Tagen des Monats war Superbenzin der Sorte E10 im Schnitt knapp 6 Prozent günstiger als im Mai und Diesel sogar knapp 9 Prozent. Dahinter steckt allerdings nicht nur der Tankrabatt, der nach einer Ifo-Analyse gerade bei Diesel nur begrenzt an Verbraucher weitergegeben wurde, sondern auch der Rückgang der Ölpreise.