Inflation und Autokrise: Metall-Tarifrunde wird kompliziert
Autor: Christian Ebner, dpa
, Dienstag, 06. Oktober 2026
In der deutschen Metall- und Elektroindustrie beginnt eine schwierige Tarifrunde. Während hunderttausende Industriearbeitsplätze verschwinden, muss die IG Metall Reallöhne und Jobs sichern.
Wenn an diesem Mittwoch die ersten regionalen Verhandlungen über die Tarifbedingungen in der Metall- und Elektroindustrie starten, steht mehr auf dem Spiel als ein paar Lohnprozente. IG Metall und Arbeitgeber verhandeln angesichts internationaler Krisen und steigender Inflation über die Zukunft des industriellen Kerns der größten Volkswirtschaft Europas. Betroffen sind rund 3,7 Millionen Beschäftigte in so unterschiedlichen Branchen wie Auto, Maschinenbau, Elektrotechnik oder Rüstungsgüter.
Was fordert die Gewerkschaft?
Nach einem aufwendigen Verfahren haben sich die regionalen Tarifkommissionen und der Bundesvorstand der IG Metall auf eine Forderung nach 5 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten verständigt. Ein Ausgleich der zuletzt stark angestiegenen Inflation gilt als Mindestziel. Gleichzeitig müsse über die Absicherung von Arbeitsplätzen und Standorten verhandelt werden, sagt die Vorsitzende Christiane Benner angesichts drohender Werkschließungen. Zudem will die Gewerkschaft in sogenannten «Boom-Unternehmen» die Beschäftigten am Gewinn beteiligen.
Im langjährigen Vergleich liegt die Forderung im unteren Mittelfeld. Zuletzt hatte die IG Metall während der Corona-Jahre 2020 und 2021 niedrigere Lohnsteigerungen verlangt. Bei der vorangegangenen Tarifrunde war sie mit einer Forderung nach 7 Prozent mehr Geld in die Verhandlungen gegangen. Erreicht wurde schließlich in zwei Stufen eine Steigerung um 5,1 Prozent - allerdings über einen wesentlich längeren Zeitraum von 25 Monaten.
Was entgegnen die Arbeitgeber?
Gesamtmetall sieht keinen Verteilungsspielraum und verweist auf die verschärfte Deindustrialisierung mit dem Verlust hunderttausender Arbeitsplätze in den vergangenen Jahren. Einer von mehreren Gründen dafür seien die hohen Lohnkosten. Vielen Unternehmen gehe es schlecht, sagt der neue Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter und gibt die Linie vor: «Wir haben in der kommenden Tarifrunde nicht den Luxus, über die Verteilung von Zuwächsen zu verhandeln. Jetzt muss es darum gehen, Kosten zu senken und den Standort zu retten.»
Noch weiter gehen Unternehmensvertreter etwa beim Auto-Schwergewicht Mercedes-Benz, die eine Rückkehr zu 40 Stunden Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich verlangt haben. Die 35-Stunden-Woche steht im Vergütungs-Tarifvertrag aber nicht zur Diskussion.