Teure Energie: Iran-Krieg treibt Inflation auf 2,9 Prozent
Autor: Jörn Bender und Alexander Sturm, dpa
, Mittwoch, 29. April 2026
Der Iran-Krieg hat das Leben in Deutschland stark verteuert. Jüngste Daten zeigen: Der Preisschock ist noch nicht ausgestanden. Viele Haushalte kommen jetzt schon kaum über die Runden.
Der Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs hat die Inflationsrate in Deutschland Richtung Drei-Prozent-Marke getrieben. Waren und Dienstleistungen waren im April 2,9 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Daten errechnet hat. So hoch lag die Inflation zuletzt im Januar 2024, über drei Prozent war die Rate zuletzt im Dezember 2023 mit 3,7 Prozent.
Der Krieg im Nahen Osten hat Heizen und Tanken hierzulande kräftig verteuert. Haushaltsenergie und Sprit kosteten im April satte 10,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Schon im März hatte sich Energie in Deutschland rasant um 7,2 Prozent verteuert, die Inflation zog insgesamt auf 2,7 Prozent an. Von März auf April des laufenden Jahres legten die Verbraucherpreise nach Angaben der Statistiker insgesamt um 0,6 Prozent zu.
«Im April ist die Inflation nur wegen höherer Energiepreise gestiegen», ordnete Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer ein. «Aber Umfragen zeigen, dass die Unternehmen rasch auf die Verteuerung der Energie reagieren und bald auch die Preise für andere Waren und Dienstleistungen deutlich anheben werden.»
Sorge vor neuer Preiswelle
Weil teure Energie Produktions- und Transportkosten von Unternehmen steigen lässt, ist die Sorge groß, dass die Preise für Lebensmittel, Restaurantbesuche und Dienstleistungen weiter anziehen. Nach Daten des Ifo-Instituts plant eine steigende Zahl von Firmen Preiserhöhungen, etwa in der Gastronomie und im Einzelhandel.
Friedrich Heinemann, Ökonom am Mannheimer Forschungsinstitut ZEW, prognostiziert, je länger die Blockade der für den weltweiten Öl- und Gashandel wichtigen Meerenge Straße von Hormus andauere, desto wahrscheinlicher werde für Deutschland eine breite Inflation: «Dann wird es ungemütlich, auch für die Menschen, die kein Auto fahren.»
Lebensmittelpreise ziehen an
Im April beschleunigte sich der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln nach Angaben der Statistiker etwas auf 1,2 Prozent. Im März hatten sich Lebensmittel noch um 0,9 Prozent verteuert.
Dienstleistungen wie Restaurantbesuche, die über viele Monate die größten Preistreiber waren, verteuerten sich im April zum Vorjahresmonat um 2,8 Prozent. Nach Einschätzung von Volkswirten dürften dazu Preiserhöhungen bei Flugtickets und Pauschalreisen maßgeblich beigetragen haben.