Inflation hartnäckiger als erhofft: Wie geht es 2026 weiter?
Autor: Jörn Bender und Alexander Sturm, dpa
, Dienstag, 06. Januar 2026
Die Preiswelle nach dem russischen Überfall auf die Ukraine ist zwar abgeflaut. Doch das Leben in Deutschland hat sich spürbar verteuert. Was hinter den hartnäckig hohen Preisen steckt.
Die Zeit enorm hoher Inflationsraten ist vorbei, doch die Ernüchterung bei Verbrauchern bleibt. Vor allem bei Dienstleistungen, zu denen etwa Restaurantbesuche, Autoversicherungen und Pauschalreisen zählen, sind die Preise deutlich gestiegen. Auch Lebensmittel haben sich spürbar verteuert. Ganz so schnell wie erhofft wird die Inflationsrate wohl nicht unter die auch psychologisch wichtige Marke von zwei Prozent sinken. Was sind die Ursachen? Und was erwartet Verbraucher im neuen Jahr?
Wie hat sich die Teuerung zuletzt entwickelt?
Lange verharrte die Teuerungsrate in Deutschland über zwei Prozent, noch im November lag sie bei 2,3 Prozent. Vor allem Dienstleistungen verteuerten sich überdurchschnittlich, darunter Pauschalreisen und Bahntickets. Gründe sind oft Personalmangel und Lohnsteigerungen, die Firmen an Kunden weiterreichen.
Im Dezember fiel die Inflationsrate überraschend deutlich auf 1,8 Prozent - der niedrigste Wert seit September 2024. Während sich Dienstleistungen zu Jahresende nochmals deutlich verteuerten, gaben die Energiepreise nach und Lebensmittelpreise stiegen kaum noch. Im Jahresschnitt 2025 steht damit eine Inflationsrate von 2,2 Prozent - ebenso wie im Vorjahr.
Damit liege die Inflation in Deutschland «wieder absolut im Normalbereich», sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. «Wirtschaftlich hat das Land viele Probleme, die Inflation gehört nicht dazu.»
Wie geht es weiter Inflation?
Volkswirte erwarten, dass sich die Menschen in Deutschland weiter mit Teuerungsraten um die Zwei-Prozent-Marke abfinden müssen. «Der Rückgang der Inflationsrate in Deutschland verläuft etwas zäher als gedacht», sagte jüngst Bundesbank-Präsident Joachim Nagel. Wegen des Lohnwachstums und der weniger stark fallenden Energiepreise werde die Rate langsamer sinken als erwartet.
Dem Ifo-Institut zufolge dürfte die Inflationsrate bei 2,2 Prozent in diesem Jahr und bei 2,3 Prozent 2027 liegen. Die Energiepreise dürften demnach weiter sinken, der Preisdruck bei Dienstleistungen aber bleiben.
Nach Einschätzung von Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der Bank ING, dürfte die Inflationsrate 2026 um die Marke von zwei Prozent schwanken. Zumindest für die ersten Monate des neuen Jahres erwartet er eine Rate unter 2 Prozent, bedingt durch den starken Euro und günstigere Importe, bevor die Teuerungsrate wieder anziehen dürfte.