Von den Wänden leuchten kräftiges Rot, intensives Blau und sattes Grün: Im Aschaffenburger Pompejanum wird das Bild von der Antike schlagartig farbig.
Wer bislang mit dem alten Rom blasse Marmorstatuen oder die graue Ruine des Kolosseums verbunden hat, wird in dem römischen Herrenhaus von den leuchtenden Farben geradezu erschlagen. Nach jahrzehntelanger Arbeit ist die Restaurierung nun beendet und das Pompejanum - die Rekonstruktion einer römischen Villa aus Pompeji - wieder für die Öffentlichkeit in der bayerischen Stadt zugänglich.
24. August 79, 10 Uhr: Unter ohrenbetäubendem Lärm bricht der Vesuv auf und spuckt glühendes Magma in den Himmel. Asche und Bimsstein regnen auf die Bewohner Pompejis herab, mitten am Tag ist es plötzlich stockdunkel. Giftiges Gas nimmt den Flüchtenden die Luft zum Atmen. Nach drei Tagen ist die Stadt unter einer 2,60 Meter dicken Schicht begraben.
„Zur Zeit König Ludwigs I. kamen in Pompeji die ersten wissenschaftlichen Grabungen in Gang“, erzählt Museumsreferent Werner Helmberger. Ludwig I. pilgerte wie zahlreiche Gelehrte nach Italien und war fasziniert von dem, was der Boden freigab. „Er registrierte aber auch den schnell einsetzenden Verfall der soeben ans Tageslicht gebrachten, farbenprächtigen Wandmalereien“, schildert Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU).
Ludwig I. entschied sich deshalb, eine Rekonstruktion eines römischen Hauses zu bauen. „Er wollte nicht darin wohnen, sondern in Bayern ein Studienobjekt für die antike Architektur errichten“, erläutert Kunsthistoriker Helmberger. 1843 legte Ludwig in Aschaffenburg persönlich den Grundstein, 1850 war das Gebäude mitsamt der malerischen Ausstattung fertiggestellt.
Knapp 100 Jahre später wurde das Pompejanum zum Kriegsopfer. Beim Versuch, Aschaffenburg einzunehmen, schlugen Bomben der Amerikaner in die Wände und zerstörten die Malereien unwiederbringlich. Nach Kriegsende setzte die Feuchtigkeit dem nur wenige Meter vom Main entfernten Bau übel zu, Jugendliche machten in den Räumen Lagerfeuer und ritzten Liebeserklärungen in den Putz. Aus jener Zeit stammt auch das Kleinkalibergeschoss, das noch heute die Nase der Hera in einem Bodenmosaik ziert.
Seit den 1960er Jahren haben Restauratoren in dem Gebäude gearbeitet - jeweils nach den gerade herrschenden Vorstellungen, wie Denkmäler zu erhalten seien. Die letzte, intensive Phase begann 1989. Heute sind im Pompejanum neben restaurierten Originalräumen, die den Zustand von 1848 nachbilden, Zimmer, die komplett rekonstruiert wurden und Räume, in denen der Zerstörungszustand von 1945 eingefroren scheint.
Dazu gehört auch das „Zimmer der Hausfrau“, das am Freitag offiziell eingeweiht wurde. In dem repräsentativen Wohnraum sind große Teile der Wände grau - dort, wo die Artilleriegeschosse den bemalten Putz zerstört hatten. Nur an einigen wenigen Stellen griffen die Arbeiter zu den Pinseln. Eine Herausforderung, erzählt Restaurator Armin Schmickl-Prochnow: „Wir verwenden heute nichts anderes als vor 2000 Jahren. Das sind Erdfarben, denen man als Bindemittel Kalk hinzugibt.“
70.000 Euro kostete allein die Wiederherstellung des letzten sinnvoll restaurierbaren Zimmers. Rund 12,7 Millionen Euro flossen insgesamt seit Anfang der 1960er Jahre in das Pompejanum. Der Aufwand hat sich gelohnt, findet der Leiter der Staatlichen Antikensammlung, Raimund Wünsche. „Das so zu erleben - Räumlichkeit, Malerei, Kunst und Kultur - das ist einmalig.“