Zehntausende protestieren gegen Sparkurs von Mercedes-Benz
Autor: Oliver Schmale und Robin Wille, dpa
, Freitag, 03. Juli 2026
Der deutschen Industrie steht laut IG Metall ein «heißer Sommer» bevor. Auftakt bildet der Protest bei Mercedes-Benz. Gestritten wird etwa um Sonderzahlungen und Arbeitszeit.
Mit mächtigen Gummihämmern schlagen zwei Männer mit Wucht auf ein rot lackiertes Ölfass. Immer wieder sind die schrillen Töne von Trillerpfeifen vor Tor 7 bei Mercedes-Benz in Sindelfingen zu hören. Zehntausende Beschäftigte des Autobauers protestieren bundesweit gegen die geplante Verschärfung des Sparkurses. Die Gewerkschaft IG Metall hatte dazu aufgerufen.
In Baden-Württemberg, der Herzkammer des schwäbischen Autobauers, protestierten die Beschäftigten unter anderem am traditionsreichen Standort in Sindelfingen, wo unter anderem die S-Klasse produziert wird. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich rund 20.000 Beschäftigte an dem Protest. Ein Sprecher des Unternehmens sprach hingegen von 10.000 Teilnehmern.
Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali sprach am Tor 7 in Sindelfingen zu den Beschäftigten. Zuvor hatte Lümali der Deutschen Presse-Agentur gesagt: «Die Beschäftigten sind mit den Plänen des Vorstands und dem Abbau des Sozialstaats nicht einverstanden.» Das Management wolle hart erkämpfte Errungenschaften zurückdrehen. Das sei keine Grundlage für weitere Gespräche.
Gewerkschaftschefin Christiane Benner sagte bei einer Kundgebung in Düsseldorf laut Mitteilung: «Wer ernsthaft über Wettbewerbsfähigkeit reden will, darf nicht bei den Arbeitsbedingungen ansetzen. Der Schlüssel für eine starke Autoindustrie liegt in Investitionen in zukunftsfeste Produkte, Standorte und Beschäftigte.»
Wo sonst noch protestiert wurde
Proteste fanden laut IG Metall in Baden-Württemberg auch in Stuttgart-Untertürkheim, Rastatt und Kuppenheim statt. Aber auch in Bremen, Berlin, Hamburg und Germersheim. Es beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaft insgesamt über 33.000 Beschäftigte an dem Protest. Nach Angaben des Autobauers waren es ohne die Kundgebung in Berlin insgesamt rund 15.750 Menschen.
Der Protest bei Mercedes-Benz soll der Auftakt für weitere bundesweite Aktionen sein. So ist unter anderem am 9. Juli in der baden-württembergischen Landeshauptstadt ein Autokorso von Beschäftigten der Autoindustrie geplant. Weitere Beschäftigtenaktionen sollen laut IG Metall beim Volkswagen-Konzern folgen. «Die IG Metall und die Beschäftigten der Hersteller und Zulieferer werden den Unternehmenslenkern der Autoindustrie einen heißen Sommer und Herbst bescheren, solange sie weiter auf Arbeitsplatzabbau und Verlagerung setzen, statt echte Problemlösungen zu suchen», erklärte die Gewerkschaft im Vorfeld des Aktionstags.
Ein Mercedes-Sprecher sagte: «Wir bewerten die Arbeitsniederlegungen entlang der geltenden rechtlichen und betrieblichen Regelungen und setzen weiterhin auf einen verantwortungsvollen Dialog.» Auswirkungen auf die Produktion könnten durch die hohe Flexibilität in den Werken zeitnah aufgefangen werden.