Hubertus Heil: Die SPD braucht mehr Leidenschaft
Autor: dpa
, Freitag, 27. März 2026
Über Hubertus Heil wurde in den vergangenen Tagen immer wieder spekuliert. Nun meldet sich der Ex-Minister zur Lage seiner Partei zu Wort – und stellt etwas zu Personaldebatten klar.
Der langjährige SPD-Arbeitsminister Hubertus Heil ruft seine Partei zu mehr Leidenschaft für neue Ideen auf. «Die Partei wirkt heute zu langweilig, zu behäbig und zu beliebig», sagt Heil der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Sie braucht mehr Klarheit, mehr Substanz und mehr Leidenschaft.»
Nach mehreren verheerenden Wahlniederlagen trifft sich die SPD-Spitze um Lars Klingbeil und Bärbel Bas heute mit quasi allen, die in der Partei Rang und Namen haben, darunter Spitzenleute aus den Landesregierungen, Bundesministerien und Kommunen. Beraten werden soll auch Klingbeils Agenda. Der Finanzminister hatte zu Reformen in großem Stil aufgerufen, wobei ausdrücklich auch «Unbequemes» zentral ist, etwa «insgesamt mehr arbeiten».
Wie Heil Klingbeils Vorschläge findet
Heil sagt: «Der Finanzminister hat viele hoch vernünftige Vorschläge gemacht.» Er begrüße auch das heutige Führungstreffen der SPD. «Ich will die Parteiführung ermutigen, neue Wege zu gehen», sagt er zugleich. Die SPD brauche neue Ideen und Konzepte. «Sie muss sich öffnen und nicht nur um sich selbst kreisen. Dafür braucht es Führung und Haltung.»
Nach den SPD-Schlappen von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz war Heils Name bei Spekulationen über eine mögliche Neubesetzung der Parteispitze aufgetaucht. Der langjährige Minister und SPD-Vizechef tritt diesen entgegen. «Ich führe keine Personaldebatten», sagt Heil. «Als Mitglied der SPD-Bundestagsfraktion beteilige ich mich aber an den Debatten über die Zukunft der Partei.» Im Parlament sitzt Heil, der bei der Führungsposten-Verteilung bei der jüngsten Regierungsbildung leer ausging, unter anderem im Auswärtigen Ausschuss.
«Ritualisierte Erklärungen helfen nicht»
Kritisch sieht der 53-Jährige manche Reaktionen auch aus dem Willy-Brandt-Haus oder der Bundestagsfraktion auf die Wahlniederlage. «Die ritualisierten Erklärungen der letzten Tage, die wir auch seit vielen Jahren immer wieder hören, helfen nicht», sagt Heil. «Die einen sagen, die SPD muss einfach nur mehr in die Mitte, die anderen sagen, wir brauchen ein stärkeres linkes Profil.» Tatsache sei: «Die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland haben kein klares Bild mehr, wofür die SPD steht.»
Heil beschreibt das so: «Ist sie ein allgemeiner politischer Lieferservice, der "soziale Politik für Dich" macht, oder steht sie für "schmerzhafte Reformen", ohne zu erklären, was sie damit erreichen will?» Beides führe in eine Sachgasse. «Natürlich muss die SPD eine pragmatische Partei sein. Aber Pragmatismus ist kein Selbstzweck, sondern eine politische Methode.»,
«Deutschland braucht wieder eine stärkere Sozialdemokratie», sagt Heil. Davon sei er überzeugt. Doch auch gute Absichten alleine reichten nicht. «Wenn die SPD nur noch als defensive Partei erscheint, die Schlimmeres verhindert, oder technokratisch nur noch das Notwenige tut, wird sie weiter verlieren.»