Preissprung an Tankstelle: Reicht das Paket der Koalition?
Autor: Andreas Hoenig, dpa
, Donnerstag, 19. März 2026
Helfen die geplanten Maßnahmen gegen die hohen Spritpreise? Politiker überschlagen sich mit Forderungen nach Entlastungen.
Seit knapp drei Wochen hält der Iran-Krieg an, die Spritpreise sind stark gestiegen - und steigen noch immer. Die Koalition reagiert mit einem Maßnahmen-Paket. Was aber passiert, wenn der Krieg noch länger andauert und es an der Tankstelle noch größere Preisschocks gibt? Dann könnte der Druck auf die schwarz-rote Koalition steigen, spürbare Entlastungen für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmen auf den Weg zu bringen.
Starker Preisanstieg
Seit dem Tag vor Kriegsbeginn Ende Februar ist Diesel nach Daten des ADAC um 42 Cent teurer geworden, Superbenzin der Sorte E10 um knapp 27 Cent. Zuletzt hat sich der Anstieg verlangsamt. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Mittwochs kostete ein Liter E10 2,044 Euro, ein Liter Diesel 2,167 Euro.
Der Schiffsverkehr auf der wichtigen Straße von Hormus, einer Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman, ist durch eine Blockade Irans nahezu zum Erliegen gekommen. Das treibt die Ölpreise in die Höhe.
Koalition reagiert
Am Donnerstag brachte die Koalition ein Spritpreis-Paket in den Bundestag ein. Künftig sollen Tankstellen nur noch einmal am Tag, um 12.00 Uhr, die Preise erhöhen dürfen. Preissenkungen sollen immer möglich sein. Die Koalition verspricht sich von der Änderung nach österreichischem Vorbild mehr Verlässlichkeit durch weniger Preiserhöhungen. Umstritten aber ist, ob die neue Regel wirklich preisdämpfend wirkt.
Kommen zusätzliche Schritte?
Abgeordnete der Regierungsfraktionen deuteten mögliche weitere Maßahmen an. «Wenn die Krise anhält, werden wir nachsteuern», sagte SPD-Fraktionsvize Armand Zorn. «Wenn die Preise hoch bleiben, wenn sich der Druck auf andere Güter wie Lebensmittel und Energie weiter überträgt, dann werden wir handeln.» Auch Unions-Fraktionsvize Sepp Müller deutete an, im Falle einer längeren Krise werde man reagieren. Zorn und Müller leiten eine von den Koalitionsfraktionen eingesetzte Taskforce.
Müller warf Mineralölkonzernen erneut Preistreiberei vor. In einer Sitzung der Taskforce am Montag hätten Vertreter von Konzernen nicht beantwortet, warum die Spritpreise in Deutschland im europäischen Vergleich am stärksten gestiegen seien. Grünen-Abgeordnete Julia Verlinden sprach von einer Abzocke. Die Linke-Vorsitzende Ines Schwerdtner sagte, die Regierung lasse die Menschen im Stich.
Reiche zurückhaltend
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) reagierte zurückhaltend. «Was wir 20 Tage nach dem Krieg nicht brauchen, ist Aktionismus», sagte die Ministerin im Bundestag. Die Bundesregierung handele mit Augenmaß.
Reiche sagte, sie höre alle Forderungen nach einer Benzinpreisbremse, einem Tankrabatt oder einer «Übergewinnsteuer». Man müsse aber überlegen, welche Kosten eine Maßnahme verursache und was der Nutzen sei.