Hoffnung für Europas Gaskrise: LNG aus Afrika
Autor: Kristin Palitza, dpa
, Sonntag, 29. März 2026
Die EU ist erneut unter Druck. Können LNG-Projekte in Afrika aus der Erdgas-Krise helfen? Das Potenzial ist Experten zufolge enorm - doch es gibt auch Risiken.
Europa kämpft erneut mit einem Engpass in Sachen Energieversorgung. Über die vergangenen Jahre haben EU-Mitgliedstaaten intensiv daran gearbeitet, sich von russischem Gas unabhängig zu machen. Viele haben auf Lieferungen aus den USA und Katar gesetzt. Jetzt zeigen neue geopolitische Spannungen, dass Europa nach wie vor anfällig für Lieferengpässe ist.
Der Iran-Konflikt hat die Produktion in Katar und den Handelsweg durch die Straße von Hormus stark gedrosselt. Gaspreise im Großhandel sind in die Höhe geschnellt. Gewinnen jetzt Afrikas massive Flüssigerdgas-Ressourcen an strategischer Bedeutung?
Welche Rolle spielt Afrika bei der Gasversorgung Europas?
LNG aus Afrika spielt eine wachsende Rolle. «Der Kontinent deckte 2025 über 17 Prozent des europäischen LNG-Bedarfs», sagt Analyst Sean Harrison von der britischen Energie-Beratungsfirma Wood Mackenzie. Die Lieferungen stammten größtenteils aus Algerien, Nigeria und Angola, doch gab es auch Lieferungen aus Äquatorialguinea, Mauretanien/Senegal, Kamerun und der Republik Kongo.
Das Potenzial ist aber wesentlich größer: Afrikas Erdgasvorkommen sind laut einer statistischen Übersicht des Ölkonzerns BP mit 12,9 Billionen Kubikmetern leicht größer als die der USA mit 12,6 Billionen Kubikmetern. Laufende Großprojekte, beispielsweise in Mosambik und Tansania, sollen laut der Internationalen Energieagentur IEA bald bedeutende neue Korridore öffnen. Afrika sei als kurzfristiger Notfalllieferant gut positioniert, aber auch, um langfristig Versorgungsprobleme zu lösen, sagt Dhesigen Naidoo, Energieanalyst des Instituts für Sicherheitsstudien Afrika (ISS).
Wie sicher ist Deutschlands Gasversorgung aktuell?
Die Bundesnetzagentur hält die Gasversorgung derzeit für stabil, da Gas vom Persischen Golf für die deutsche Versorgung keine wesentliche Rolle spiele. LNG-Lieferungen beziehe man aktuell vor allem aus den USA. Allerdings könnten die Preiseffekte auf den Weltmärkten laut der Behörde je nach Dauer des Konflikts auch in Deutschland spürbar sein.
Im vergangenen Jahr kam das meiste Erdgas über Leitungen aus Norwegen. Auch über die Niederlande und Belgien erreichten Deutschland größere Mengen. Gut zehn Prozent der Gasimporte erreichten Deutschland über die neuen LNG-Terminals an der Nord- und Ostseeküste. Dieses Gas kam vor allem aus den USA. Kleinere Mengen kamen aber auch aus Äquatorialguinea. Anfang 2026 erreichte Deutschland auch LNG aus Kamerun und aus Gasfeldern vor Westafrika.
Welche afrikanischen LNG-Projekte sind strategisch wichtig?
Laut der IEA ist Mosambik auf dem Weg, ein wichtiger Standort für den globalen LNG-Markt zu werden. Projekte von TotalEnergies und ExxonMobil versprechen dort eine Produktion von mehr als 30 Millionen Tonnen Flüssiggas pro Jahr. Zwar hat eine volatile Sicherheitslage aufgrund islamistischer Terroranschläge den Produktionsbeginn schon mehrfach verzögert; ab 2030 soll es jedoch erste Lieferungen geben. Trotz ungewisser Zeitpläne werden als risikoreich geltende Projekte wie in Mosambik Analysten zufolge in einem angespannten globalen Markt neu bewertet so lange langfristig größere Liefermengen in Aussicht stehen.