High Noon an der Tankstelle - kräftiger Preissprung
Autor: Andreas Hoenig und Carsten Hoefer dpa
, Mittwoch, 01. April 2026
Ein als Benzinpreisbremse gedachtes Gesetz tritt in Kraft - die Mineralölkonzerne haben nur noch mittags Gelegenheit zur Preiserhöhung. Erwartungsgemäß nutzen die Unternehmen das knappe Zeitfenster.
Die Mineralölkonzerne haben auf die als Preisbremse gedachte neue Tankregel der Bundesregierung zunächst mit kräftigen Erhöhungen reagiert. Nach einer Auswertung des ADAC kostete ein Liter Super E10 im bundesweiten Schnitt heute um kurz nach 12 Uhr 2,175 Euro, 7,6 Cent mehr als kurz vor 12 Uhr. Der durchschnittliche Dieselpreis kletterte demnach von kurz vor bis kurz nach 12 Uhr um 7,5 Cent auf 2,376 Euro. Das lag auch deutlich über den morgendlichen Höchstpreisen des Vortags. Preissenkungen im weiteren Verlauf des Tags waren jedoch möglich.
Warum wurde die neue Regel eingeführt?
Mit der neuen Regel dürfen die Mineralölkonzerne die Treibstoffpreise an den Tankstellen nur noch einmal am Tag um 12 Uhr mittags erhöhen, Preissenkungen hingegen sind rund um die Uhr erlaubt. Die schwarz-rote Koalition erhofft sich von der Änderung nach österreichischem Vorbild mehr Verlässlichkeit durch weniger Preiserhöhungen.
Der ADAC bezweifelt das: «Stattdessen führt die geringere Flexibilität von Mineralölkonzernen offenbar eher dazu, dass Unsicherheiten wie ein gegebenenfalls steigender Ölpreis vorweggenommen werden», sagte ein Preisexperte des Autoclubs. «Inwiefern die Möglichkeit, Preise jederzeit zu senken, genutzt wird, ist fraglich.»
Verstöße gegen das Verbot der mehrmaligen Preiserhöhungen können mit einem Bußgeld von bis zu 100.000 Euro geahndet werden.
Was bringt die neue Regel?
«Die Erfahrung aus unserem Nachbarland zeigt: Kurz nach der Einführung sanken die Kraftstoffpreise in Österreich vorübergehend, pendelten sich aber rasch wieder auf dem gewohnten Niveau ein», sagte Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale-Bundesverbands.
Andreas Mundt, der Präsident des Bundeskartellamts, schrieb im sozialen Netzwerk LinkedIn: «Eines ist sicher: Wir werden nach aller Voraussicht weniger Preisgezappel sehen. Es wird vielleicht leichter, die niedrigen Preise an einem Tag an der Tankstelle auch zu erwischen. Und das lohnt die Sache doch schon.»
In Österreich liegt der günstigste Zeitpunkt zum Tanken laut ADAC nun häufig kurz vor Mittag, zu einem Zeitpunkt, an dem bisher nur wenige Menschen eine Tankstelle ansteuern.