Länder-Einwände gegen Sparpaket - Protest von Hausärzten
Autor: Sascha Meyer, dpa
, Mittwoch, 03. Juni 2026
Die immer weiter steigenden Ausgaben der Krankenkassen sollen unter Kontrolle kommen. Die Koalition plant dazu ein großes Spargesetz. Der Gegenwind für die Bundesgesundheitsministerin wird stärker.
Gegen die Milliarden-Sparpläne der Bundesregierung bei den Gesundheitsausgaben formiert sich wachsender Widerstand - nun auch unter den Ländern und bei Hausärzten. Wenn der Gesetzentwurf von Ministerin Nina Warken (CDU) in der nächsten Woche erstmals in den Bundesrat kommt, liegen zahlreiche Kritikpunkte von Ausschüssen der Länderkammer vor. Gefordert wird die Streichung mehrerer Ausgabenbremsen bei Kliniken, Praxen, Apotheken und Pharmabranche. Der Hausärzteverband macht mit einer Protestaktion mobil.
«Die angedachten Kürzungen sind vollkommen plan- und wahllos», kritisierte die Co-Vorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth. «Damit legt man die Axt ohne Rücksicht auf Verluste an die Wurzel der hausärztlichen Versorgung.» Sie warnte vor negativen Folgen wie weniger Praxen, schlechterer Versorgung und längeren Wartezeiten. Der Verband plant eine E-Mail-Aktion, bei der Patienten sich an ihre jeweiligen Bundestagsabgeordneten wenden können.
Mails an Bundestagsabgeordnete
Dafür sollen die knapp 50.000 Hausarztpraxen Plakate und Informationsmaterial zugeschickt bekommen. In einem Muster-Text für die E-Mails heißt es unter anderem: «Bereits jetzt arbeitet meine Praxis ständig am Limit. Durch die nun geplanten Kürzungen wird sich die Situation weiter verschärfen.»
Das vom Kabinett auf den Weg gebrachte Sparpaket soll die gesetzlichen Krankenkassen 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlasten, um ein erwartetes Defizit auszugleichen und neue Anhebungen der Zusatzbeiträge zu vermeiden. Warken plant Ausgabenbremsen bei allen Leistungserbringern - aber etwa auch höhere Zuzahlungen für Medikamente und Einschränkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern.
Der Hausärzteverband kritisiert unter anderem das geplante Aus für Extra-Vergütungen der Praxen etwa für Organspendeberatungen und dass eine kürzliche Abschaffung von Obergrenzen für die Honorare von Hausärztinnen und Hausärzten wieder aufgeweicht werden solle.
Warnung vor «Kliniksterben»
Der Entwurf soll am 12. Juni in Bundestag und Bundesrat kommen. Die Länderkammer kann zunächst Stellung nehmen - und stimmt dazu darüber ab, welche Empfehlungen der Ausschüsse sie sich zu eigen macht. Das Gesetz ist dann nicht zustimmungsbedürftig, die Länder könnten es aber ausbremsen.
Der federführende Gesundheitsausschuss mahnt unter anderem: «Die Sparmaßnahmen dürfen nicht zu einem Kliniksterben führen und in einer kalten und ungesteuerten Strukturbereinigung münden.» Zur Konsolidierung der Finanzen der gesetzlichen Krankenkassen müsse auch der Krankenhaussektor seinen Beitrag leisten. Durch die geplanten Maßnahmen seien aber eine «hohe Insolvenzgefahr» und eine überproportional starke Belastung zu erwarten.