"Haarsträubende Managementfehler" - Schwerer Vorwurf nach erneuter Galeria-Insolvenz

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Galeria ist mal wieder insolvent. Hat die Warenhauskette noch eine Zukunft? Experten beziehen Stellung. Und die Gewerkschaft Verdi hat einen Schuldigen für die Misere ausgemacht.

Handelsexperten halten unter bestimmten Bedingungen einen Fortbestand der Warenhauskette Galeria noch für möglich - trotz der vierten Insolvenz innerhalb von sechs Jahren. "40 bis 50 Standorte sind unter dem richtigen Eigentümer und mit einer klar differenzierten Positionierung fortführungsfähig - aber nicht als Vollsortimenter wie bisher", sagte der Handelsexperte Johannes Berentzen von der Beratungsgesellschaft BBE der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

"Lokal verankerte Konzepte mit Erlebnischarakter, ergänzenden Drittpartnern und Aufenthaltsqualität haben eine Zukunft." Mittelständische Warenhäuser bewiesen das jeden Tag. Aktuell hat Galeria 83 Filialen. Auch bei den 100 Beschäftigten in der Bamberger Galeria-Filiale ist das Bangen jetzt groß, wie unser Schwesterportal fraenkischertag.de berichtet. (PLUS-Artikel)

12.000 Galeria-Beschäftigte vor ungewisser Zukunft

Ob Galeria auch diese Insolvenz überstehe, hänge nicht am Insolvenzverwalter, "sondern an einem strategischen Investor, der wirklich transformieren will", so Berentzen weiter. "Findet sich der nicht, reden wir über eine geordnete Abwicklung."

Auch Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg glaubt, dass Galeria diese Insolvenz noch überstehen kann, "vielleicht sogar noch eine weitere", erklärte er auf dpa-Anfrage. Mittelfristig ist er allerdings skeptisch: "Der Umstand, dass die zugrunde liegenden Probleme, vor allem die fehlende Attraktivität des Angebots, nicht beseitigt werden konnten, spricht für ein dauerhaftes Verschwinden des Unternehmens in den nächsten Jahren."

Nach dem erneuten Insolvenzantrag der Warenhauskette Galeria sieht die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für die rund 12.000 Beschäftigten "eine völlige Ungewissheit". "Die Beschäftigten haben es schon lange befürchtet: Galeria hat heute das vierte Insolvenzverfahren innerhalb von nur sechs Jahren eröffnet, ganz ohne eine Erklärung zu den Umständen", erklärte die Verdi-Bundesfachbereichsleiterin Handel, Silke Zimmer, in einer Mitteilung. 

Verdi fordert Aufklärung von Galeria

"Haarsträubende Managementfehler" hätten zu dieser Entwicklung geführt. In den letzten Jahren seien durch die Gesellschafter keine nachhaltigen Investitionen geflossen. Schnelle Aufklärung sei nötig, wie es für die 12.000 Beschäftigten weitergehe. "Die Beschäftigten brauchen jetzt einen Plan für die Zukunft und keine Nebelkerzen", so Zimmer weiter.

Das Unternehmen hatte am Vormittag mitgeteilt, dass es beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt habe. Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen. Für Galeria ist es nach 2020, 2022 und 2024 der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren.

 

 

Vorschaubild: © Rolf Vennenbernd/dpa