Druckartikel: Grünsfeld (Main-Tauber-Kreis): Bagger-Amokfahrt endet für 38-Jährigen tödlich

Grünsfeld (Main-Tauber-Kreis): Bagger-Amokfahrt endet für 38-Jährigen tödlich


Autor: Kevin Kosmann, Agentur dpa

Grünsfeld, Mittwoch, 01. Januar 2025

Ein Mann klaut einen Bagger und hinterlässt eine Schneise der Verwüstung im Main-Tauber-Kreis (Baden-Württemberg). Die Verfolgungsjagd mit der Polizei endet für ihn tödlich.


In der fränkischen Stadt Grünsfeld, gelegen im Main-Tauber-Kreis, ereignete sich gegen 13:30 Uhr ein aufsehenerregender Zwischenfall. Ein Mann übernahm auf dem Gelände einer Baufirma die Kontrolle über einen Bagger und beschädigte damit sowohl Gebäude als auch Fahrzeuge. Details darüber, wie er Zugang zum Bagger erlangte, sind bisher nicht bekannt. Eine Sprecherin berichtete, dass das gesamte Bauinventar zerstört wurde.

Die Polizei berichtete, dass die Fahrt des Mannes etwa eine Stunde dauerte und dabei Szenen abliefen, die an einen Actionfilm erinnerten. Am Nachmittag des Silvestertags brachte der Mann den Bagger unter seine Kontrolle, beschädigte Gebäude, zerstörte Fahrzeuge und lieferte sich eine kilometerlange Verfolgungsjagd mit der Polizei. Bei dieser wurden drei Polizeibeamte verletzt. Letztendlich setzten die Beamten Schusswaffen ein und der Mann verstarb noch am Tatort.

"Amokfahrt" mit Bagger endet für 38-Jährigen tödlich: Fahrt dauert fast eine Stunde

Um 13.35 Uhr ruft ein Zeuge schließlich die Polizei. Streifenwagen fahren vor, versuchen den Mann mit dem Bagger zu stoppen. Doch der gibt Gas, fährt auf die Bundesstraße Richtung Tauberbischofsheim, der Ort liegt ein paar Kilometer entfernt. Eine Verfolgungsjagd zwischen dem Bagger und den Einsatzkräften beginnt. 

Video:




Dabei seien die Streifenwagen dem Bagger hinterhergefahren, hätten sich ihm aber nicht in den Weg gestellt, berichtet eine Polizeisprecherin am Abend der dpa. "Einem Bagger einen Streifenwagen in den Weg zu stellen - da können sie sich selber vorstellen, wie sinnvoll das ist." Mindestens vier Streifenwagen seien beschädigt worden, wie viele zivile Wagen, ist offen. Die Polizei bittet Zeugen und Geschädigte, sich zu melden.

Der Mann sei mit dem Bagger die ganze Fahrt auf der Straße unterwegs gewesen und schließlich abgebogen auf das Gelände eines Autohauses, sagte eine Sprecherin. Gegen 14.22 Uhr, teilte die Polizei mit, beenden Schüsse die Fahrt. Der Mann wird an Ort und Stelle reanimiert, stirbt aber trotzdem an seinen Verletzungen. Wie viele Schüsse fallen, konnte die Sprecherin nicht beantworten. Das Landeskriminalamt ermittelt zum Schusswaffengebrauch der Beamten. Es bestehe keine Gefahr mehr für die Bevölkerung, sagte eine Sprecherin nach dem Vorfall.

Das Motiv der Tat ist bisher unklar – viele Fragen blieben bisher ungeklärt

In Videos, die online kursieren, sieht man einen gelben Bagger, der durch Tauberbischofsheim fährt und an einer Tankstelle vorbeikommt, während im Hintergrund Schüsse zu hören sind. Ein weiteres Video zeigt, wie der Bagger sich mehrfach um die eigene Achse dreht, während Beamte das Fahrzeug umkreisen und Schüsse abfeuern. Laut Polizei erfolgte.

Während der Verfolgung gaben mehrere Polizeibeamte Schüsse auf das Fahrzeug ab, um dieses zu stoppen, nachdem Lautsprecherdurchsagen erfolglos geblieben waren - so die Polizei.  Der Einsatz von Schusswaffen soll gegen 14:45 Uhr erfolgt sein. Dabei wurde der Mann getroffen und tödlich verletzt. Der 38-Jährige wurde vor Ort reanimiert und verstarb anschließend an seinen Verletzungen.

Der Hintergrund des Vorfalls an Silvester ist noch unklar. Die Polizei berichtete zunächst auf X von einer "mutmaßlichen Amokfahrt" und einem "Amokfahrer". In einer später veröffentlichten Pressemitteilung wird dieser Ausdruck jedoch nicht mehr verwendet. Der Mann ist als 38-jähriger Deutscher identifiziert.

Polizeigewerkschaft: Extrem dynamische und gefährliche Situation

Ob ein Zusammenhang zwischen dem Baggerfahrer und der betroffenen Baufirma besteht, ist derzeit ungeklärt. Die Polizei vermutet keinen politischen Hintergrund für den Vorfall. Ob möglicherweise eine psychische Erkrankung eine Rolle spielt, konnte eine Sprecherin noch nicht bestätigen. Derzeit ist die Spurensicherung vor Ort aktiv, wie eine Sprecherin am Abend mitteilte.

Drei Polizisten erlitten leichte Verletzungen, nachdem zuvor von einer schwer verletzten Polizistin die Rede war. Diese Beamtin war bei dem Vorfall eingeklemmt, konnte aber mittlerweile das Krankenhaus verlassen. Auch zwei männliche Beamte sind verletzt worden; einer hat eine Schnittverletzung an der Faust, der andere ein Knalltrauma erlitten. Alle drei Beamten sind aktuell dienstunfähig.

Die Polizeigewerkschaft lobte das Engagement der eingesetzten Beamten. "Die eingesetzten Kräfte haben in einer extrem dynamischen und gefährlichen Situation professionell gehandelt und damit Schlimmeres verhindert", erklärte der stellvertretende Landesvorsitzende der GdP in Baden-Württemberg, Thomas Mohr. "Es ist tragisch, dass am Ende ein Menschenleben zu beklagen ist, doch die Polizei hatte die Verantwortung, weitere Opfer zu verhindern und die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten."