Gewalt von Linken und Rechten nimmt zu
Autor: dpa
, Dienstag, 09. Juni 2026
Die Erhebung der Zahlen zu politisch motivierten Straftaten ist so etwas wie ein Fiebermessen für die deutsche Gesellschaft. Ein Blick auf die Statistik für 2025 zeigt: Die Temperatur steigt.
Die politisch motivierte Kriminalität hat im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Die Polizei zählte bundesweit 85.837 Straftaten mit politischem Hintergrund - knapp zwei Prozent mehr als 2024. Einen leichten Anstieg gab es insgesamt auch bei den politisch motivierten Gewalttaten, von denen der größte Teil auf das Konto von Tätern aus dem rechten Spektrum ging.
Rechte am gewalttätigsten - aber Zuwachs im linken Spektrum
Den Angaben zufolge geht die Polizei bei 1.598 von insgesamt 4.156 politisch motivierten Gewaltstraftaten von einem rechten Motiv aus. Während die Zahl rechter Gewalttaten demnach um knapp 7,4 Prozent zunahm und bei den links motivierten Gewalttaten ein Anstieg um knapp 43 Prozent auf 1.087 Gewaltdelikte zu beobachten ist, ging die Zahl der mutmaßlich aus ausländischen Ideologien gespeisten Gewaltdelikte um knapp 28 Prozent auf 704 Gewaltdelikte zurück.
Auch bei den Gewalttaten, die mutmaßlich politisch motiviert waren, aber keinem der gängigen Phänomenbereiche zugeordnet werden konnten, war ein Rückgang zu beobachten - um knapp 16 Prozent auf 669 Gewalttaten. Mit einem Plus von knapp 13 Prozent war der Anstieg bei religiös motivierten Gewalttaten zwar spürbar. Mit 98 entsprechenden Straftaten blieb ihr Anteil an den politisch motivierten Gewalttaten insgesamt jedoch relativ klein.
Erheblicher Anstieg im Vorjahr
Im Jahr 2024 waren mehr als 84.000 politisch motivierte Straftaten festgestellt worden - so viele wie nie zuvor. Rund jede zweite dieser Taten ordnete die Polizei damals dem rechten Spektrum zu.
Eine Maßnahme, auf die Bundesinnenminister Alexander Dobrindt setzt, ist eine härtere Bestrafung von Gewalttaten gegenüber Einsatzkräften der Polizei. «Ich glaube an die abschreckende Wirkung des Strafrechts», sagt der CSU-Politiker. Dazu stimme er sich aktuell mit Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) ab. Ihm gehe es darum, ein deutliches Signal zu setzen, dass Gewalt gegen Einsatzkräfte nicht toleriert würde.
Mehr frauenfeindlich motivierte Straftaten
Untersucht hat die Polizei auch, wie sich die Zahl der Straftaten entwickelt hat, die als Hasskriminalität gelten. Darunter versteht man politisch motivierte Straftaten, bei denen Anhaltspunkte vorliegen, dass Vorurteile des Täters - etwa gegen Menschen bestimmter Nationalitäten oder Religionen - eine Rolle spielen. Knapp 19.500 Straftaten rechnete die Polizei 2025 der «fremdenfeindlichen Hasskriminalität» zu - etwa so viele wie im Vorjahr.
Bei den als antisemitisch eingestuften Hassdelikten stellte sie einen Anstieg um fünf Prozent auf 6.548 Straftaten fest. Einen deutlichen Zuwachs gab es bei den frauenfeindlichen Straftaten. 819 solcher Taten wurden im vergangenen Jahr von den Polizeibehörden an das Bundeskriminalamt (BKA) gemeldet, knapp 47 Prozent mehr als im Jahr zuvor.