Gesundheitsreform: Krankenkassen kritisieren Sparpläne in Berlin
Autor: Nadine Wüste, Agentur dpa
Berlin, Montag, 18. Mai 2026
Im Zuge des geplanten Sparpakets im Gesundheitswesen rechnen Krankenkassen mit höheren Kosten für Kassenpatienten. Kritiker mahnen, dass drohende Änderungen vor allem Versicherte und Patienten treffen könnten.
Die gesetzlichen Krankenkassen warnen hinsichtlich des Sparpakets für die Gesundheitsausgaben vor möglichen Verzögerungen und Verschiebungen, die zulasten der Patienten gehen könnten. Der Vorsitzende des Spitzenverbandes, Oliver Blatt, äußerte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: "Die Versicherten und Arbeitgeber sind genug belastet."
Daher ziehe er eine klare Grenze: "Kein Cent mehr Belastung für Patientinnen und Patienten als in der aktuellen Fassung des Gesetzes vorgesehen." Ein Aufschieben der Reform sei keine Option. "Jetzt muss die Ministerin Kurs halten, auch wenn der Druck von allen Seiten enorm ist."
Warken will Krankenkassen um Milliarden entlasten: Kassenpatienten sollen zahlen
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant, die Kassen mit dem vom Kabinett initiierten Paket bis 2027 um 16,3 Milliarden Euro zu entlasten. Dies soll ein erwartetes Defizit von 15,3 Milliarden Euro ausgleichen und erneute Anhebungen der Zusatzbeiträge verhindern. Vorgesehen sind Ausgabenbremsen in Praxen, Kliniken und der Pharmabranche - aber auch erhöhte Zuzahlungen für Medikamente sowie Einschränkungen bei der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern.
Verbandschef Blatt betonte, diese Reform sei notwendiger denn je, um die Finanzierung zumindest für die nächsten zwei bis drei Jahre zu stabilisieren. An der Reform sei sicherlich nicht alles perfekt. "Aber wer irgendwo weniger sparen möchte, muss auch sagen, wo das Geld stattdessen herkommen soll."
Jedem müsse klar sein: "Mit jeder Milliarde, die weniger eingespart wird, rückt der Zeitpunkt der nächsten Beitragssatzerhöhung wieder näher."
Wenn nicht gespart wird: Steigen die Kassenbeiträge noch weiter an?
Zum Jahresbeginn waren die Zusatzbeiträge, die die Kassen individuell festlegen, für Millionen Versicherte weiter gestiegen - trotz eines ersten kleinen Sparpakets der Koalition. Das Ministerium hatte den durchschnittlichen Zusatzbeitrag als Orientierungsmarke für 2026 auf 2,9 Prozent festgelegt. Tatsächlich liegen die Zusatzbeiträge nach Kassendaten aktuell im Durchschnitt bei 3,13 Prozent.
Zum Gesamtbeitrag, den sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen, gehört außerdem der allgemeine Satz von 14,6 Prozent des Bruttolohns. Blatt forderte eine grundsätzliche Akzeptanz dringend notwendiger Sparmaßnahmen bei allen Beteiligten im Gesundheitswesen.