Geringe Schäden durch Naturkatastrophen im ersten Halbjahr
Autor: dpa
, Donnerstag, 30. Juli 2026
Bilder brennender Wälder in Südeuropa sind diesen Sommer allgegenwärtig. Im ersten Halbjahr richteten Naturkatastrophen aber vergleichsweise wenig Verwüstung an. Entwarnung bedeutet das nicht.
Die Welt ist im ersten Halbjahr im Vergleich zu früheren Jahren von den ganz großen Naturkatastrophen weitgehend verschont geblieben. Stürme, Erdbeben, Überschwemmungen und andere Ereignisse richteten nach Angaben der Versicherungsbranche im ersten Halbjahr geringere Schäden an als in den vergangenen Jahren. Doch das ist nach Einschätzung des Rückversicherers Munich Re wie bereits 2025 hauptsächlich Zufall, keine Entwarnung vor den Folgen steigender Temperaturen auf dem Planeten.
Der Münchner Dax-Konzern bezifferte die von Anfang Januar bis Ende Juni verursachten weltweiten Gesamtschäden auf etwa 112 Milliarden Dollar (97,8 Mrd Euro), davon nur 44 Milliarden Dollar versichert. Das lag deutlich unter dem Schnitt der vergangenen fünf Jahre von 66 Milliarden Dollar versicherter Schäden. Die jüngsten Taifune in Ostasien und die Waldbrände im Süden Europas fallen allerdings nicht mehr in das erste Halbjahr und tauchen daher in der Schadenbilanz noch nicht auf.
Viele Unwetter in den USA mit vergleichsweise geringen Schäden
«Es waren eher günstige Umstände, die dazu geführt haben, dass nicht höhere Schäden verursacht wurden», sagte Tobias Grimm, der Chef-Geowissenschaftler des Münchner Dax-Konzerns. Die Hälfte der versicherten Schäden entfiel allein auf schwere Unwetter in den USA, wo quasi traditionell hohe Schäden anfallen. «Wir hatten teilweise deutlich mehr solch schwerer Unwetterzellen, es gab auch deutlich überdurchschnittlich viele Tornados», sagte Grimm. «Aber diese trafen Gebiete, in denen es wenig versicherte Werte und damit geringe Sachschäden gab.»
Zerstörerischste Naturkatastrophe des ersten Halbjahres war das Doppel-Erdbeben in Venezuela am 24. Juni mit mehreren tausend Toten. Nach ersten Schätzungen könnte sich der Gesamtschaden auf etwa 30 Milliarden Dollar summieren, davon aber weniger als einer Milliarde versichert.
Die Munich Re beobachtet und dokumentiert seit den 1970er Jahren die globalen Naturkatastrophen, um die von Stürmen, Überschwemmungen, Erdbeben und anderen Risiken verursachten Risiken berechnen zu können.
Besorgniserregende Hitze in Europa und auch Nordamerika
«Das stärkste Klimasignal im ersten Halbjahr war extreme Hitze», sagt Wissenschaftler Grimm. Bei Hitzewellen ist der Zusammenhang zum Klimawandel demnach sehr gut belegt. Demnach gab es in Deutschland in den 1950er Jahren im Schnitt jährlich drei bis vier Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad. «Heute sind wir im Schnitt bei etwa 13 Hitzetagen pro Jahr.»
Hitze sei eine «stille Gefahr, weil sie nicht so sichtbar ist und keine Bilder enormer Zerstörung hinterlässt», sagt der Geograf und Meteorologe. «Aber die Auswirkungen sind nicht minder schlimm als bei anderen Wetterereignissen.» Schäden entstehen demnach durch sinkende Produktivität und Produktionsausfälle, aber auch durch Infrastrukturschäden, Transportunterbrechungen und Ernteausfälle.