Geringe Gasspeicherstände: Ministerium appelliert an Händler
Autor: dpa
, Mittwoch, 19. August 2026
Teureres Gas, wenig Reserve: Händler zögern mit dem Einkauf. Das Wirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur versuchen es mit Appellen.
Mit Blick auf niedrige Gasspeicherstände sehen Bundeswirtschaftsministerium und Bundesnetzagentur die Wirtschaft in der Pflicht. Die Füllung der deutschen Speicher, die aktuell rund zur Hälfte ausgelastet sind, sei «sehr gering», räumte eine Sprecherin des Ministeriums in Berlin ein. «Wir beobachten die Lage genau, auch im geopolitischen Kontext, und fordern die Händler auf einzuspeichern.» Derzeit seien ungefähr 74 Prozent der Speicherkapazitäten gebucht.
Warum das Gas so teuer ist
Die wegen des Iran-Kriegs blockierte Meerenge, die Straße von Hormus, erschwert den internationalen Transport von Gas und Öl, was die Preise in die Höhe treibt. Für Händler, die normalerweise im Sommer Gas kaufen, um es in der Heizperiode im Winter zu verkaufen, ist der Einkauf deshalb derzeit wenig attraktiv.
Der Preis für europäisches Erdgas stieg am Mittwoch auf das höchste Niveau seit der Anfangsphase des Iran-Kriegs. Der richtungweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat wurde an der Börse in Amsterdam zu 64,60 Euro je Megawattstunde (MWh) gehandelt. Das ist der höchste Stand seit Mitte März.
Auch Netzagentur sieht Händler in der Pflicht
Zum 1. November müssten die deutschen Gasspeicher nach gesetzlichen Vorgaben eigentlich zu jeweils 80 Prozent gefüllt sein, mit einigen festgelegten Ausnahmen.
Netzagentur-Chef Klaus Müller nimmt ebenfalls die Händler in die Pflicht. «Es ist ausreichend Gas verfügbar. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Gashändler seinen Kunden erklären möchte, dass es im Winter nicht genug Gas gibt, weil er nicht ausreichend vorgesorgt hat», sagte er zu «t-online». «Ich erwarte, dass die Gashändler ihrer Verantwortung nachkommen.»
Russland war lange wichtigster Gaslieferant
Deutschlands wichtigster Gaslieferant war lange Russland, der mit Ausbruch des Ukraine-Kriegs aber wegbrach. Im Frühjahr 2022 wurden deshalb auf Betreiben des damaligen Wirtschaftsministers Robert Habeck (Grüne) Füllstandsvorgaben eingeführt, die seither gelockert wurden.
Auf die Frage, ob die Gasversorgung für den Winter gesichert sei, äußerte sich eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums nicht klar, sondern appellierte an die Verantwortung der Händler. Das Haus von Ministerin Katherina Reiche (CDU) argumentiert, dass Deutschland inzwischen Gas aus mehreren Quellen beziehe. «Fast die Hälfte unseres Gasbedarfs kommt aus Norwegen. Dazu bekommen wir Pipeline-Gas aus Frankreich und aus Belgien.» Dazu werde über die deutschen Terminals Flüssiggas (LNG) importiert, das zu einem Großteil aus den USA stammt.