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Gelungener Neuanfang der Rosenberg-Festspiele in Kronach


Autor: Nicole Julien-Mann

Kronach, Donnerstag, 29. Juni 2017

Die Rosenberg-Festspiele feierten mit dem Stück "Das Wirtshaus im Spessart" einen erfolgreichen Start in die neue Spielzeit.
Der Räuber und der als Kammerzofe verkleidete Gaukler entdeckten eines nachts ihr gemeinsames Interesse an Kritiken. Foto: Ronald Rinklef


Mit einer restlos ausverkauften Gala-Premiere starteten die Rosenberg-Festspiele in Kronach die Saison mit der Komödie "Das Wirtshaus im Spessart". Das Publikum war begeistert, das Ensemble glücklich und die Organisatoren erleichtert.

Bildergalerie: "Das Wirtshaus im Spessart"

Ende gut - alles gut! Und damit ist nicht nur das Finale des Stücks gemeint, in dem zum Schluss zusammenfindet, wer zusammengehört. Nein, es geht auch um das erste Rendez-vous des neuen Festspielteams mit den Kronachern. Spätestens nach dem minutenlangen begeisterten Schlussapplaus war klar, dass die Turbulenzen der Rosenberg-Festspiele mit einem Happy-End ad acta gelegt werden können.

Dem neuen Namen aus dem vergangenen Jahr folgte mit der Premiere am Mittwochabend der eigentliche Neuanfang. Drei Regisseure inszenieren drei Stücke, der künstlerische Leiter (Stefan Haufe) ging mit seinem "Wirtshaus" als Erster in den Ring - und legte ordentlich vor. Seine Inszenierung ist neu und frisch, mit spritzigem Wortwitz, zündenden Running-Gags und einem munteren Treiben, das temporeich durchchoreographiert ist. Haufes Herkunft vom Ballett ist unverkennbar: Rhythmusgefühl und Timing gehören beim Tanzen genauso dazu wie bei einer Komödie, andernfalls verpuffen Gags und Längen stellen sich ein. Davon konnte am Mittwoch keine Rede sein. Statisten und Schauspieler spielten, tanzten und sangen in der luftig-leicht inszenierten Räuberklamotte, dass es eine reine Freude war.

Über die Handlung muss man nicht viel sagen: Die Spessarträuber wollen Lösegeld für die entführte Grafentochter. Liebespaare verlieren, verkleiden und finden sich, die Räuber werden begnadigt und der Räuberhauptmann entpuppt sich als adäquate Partie für die Gräfin.

Haufe entschied sich für die Adaption des Amerikaners George Isherwood mit Qualitäten einer Verwechslungskomödie à la Billy Wilder - es wurde nicht zu viel versprochen. Der muntere Liebesreigen mit wechselnden Geschlechteridentitäten war äußerst amüsant. Wer küsste gerade wen? Ein Mann als Frau verkleidet eine Frau als Mann verkleidet oder war es doch umgekehrt? Dass ausgerechnet der wildeste der Räuber für den als Kammerzofe verkleideten Gaukler entflammte und es auch blieb, als dessen Identität aufflog, war eine der schönen Pointen, an denen es im ganzen Stück nicht mangelte.


So funktioniert Komödie

Für Bezüge zum aktuellen Zeitgeschehen genügten kleine Gesten wie die "Merkel-Raute" beim Vorschlag, "ein Staatspaket zur Bekämpfung der Räuber vorzulegen". So funktioniert Komödie, wenn das Publikum ernst genommen und nicht jede Pointe ausgewalzt wird.

Technische Möglichkeiten an Theaterhäusern müssen auf Freilichtbühnen mit kreativen Lösungen kompensiert werden. Auch hier mangelte es dem Regisseur nicht an Ideen. Wie ein Zeitraffer inszeniert war ein großer Felsblock, den der Goldschmied und der Gaukler auf ihrer Wanderschaft mehrmals umrunden: Mit beschwingtem Schritt und munter pfeifend laufen sie dahinter, um dann hörbar und sichtbar ermattet wieder aufzutauchen.
Klug eingestreute Running Gags sorgen für Spontanlacher - wie die Schlagzeilen der Zeitungsverkäuferin, die das Geschehen jeweils zusammenfassen, oder die angedrohte eheliche "Oase", falls der Graf das Lösegeld für die Tochter nicht zahle.

Zusätzliche Struktur erhält das Stück durch die Musik, die eigens für diese Inszenierung von Sebastian P. Rehnert komponiert wurde. Einige der Lieder haben Ohrwurmqualität, das Schlusslied etwa oder die Liebesballade "Ich halte zu Dir ewiglich", da wiegt die Emotion höher als die Gesangsqualität.

Das Ensemble spielte wunderbar zusammen, so dass man sich jetzt schon auf ein Wiedersehen in den anderen beiden Stücken ("Mirandolina" und "Das Dschungelbuch") freuen darf.

Termine und Karten: Das "Wirtshaus" wird noch gespielt am 30.6., 1., 7., 8., 14., 15. 21., 22. Juli sowie am 5. und 10. August. Karten gibt es in der Tourist-Information Kronach (09261/97236), bei allen Reservix-Vorverkaufsstellen oder auf www.rosenbergfestspiele.de