Druckartikel: Durchsuchung in Sparkasse nach Bohrer-Coup - war es doch ein "Inside Job"?

Durchsuchung in Sparkasse nach Bohrer-Coup - war es doch ein "Inside Job"?


Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa, Redaktion

Gelsenkirchen, Mittwoch, 07. Januar 2026

Ein spektakulärer Einbruch hat für Chaos vor einer Bank in Gelsenkirchen gesorgt. Nun durchsuchte die Polizei noch einmal die Bank - Medien munkeln über einen "Inside Job".
Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen zwei maskierte Männer mit auffälligen Handschuhen. Nach dem spektakulären Einbruch in eine Sparkasse in Gelsenkirchen sucht die Polizei nach den Tätern. Die Unbekannten hatten nahezu alle Schließfächer in der Filiale aufgebrochen und leergeräumt.


Update vom 07.01.2026: War es ein "Inside Job"? Durchsuchung in Sparkasse wirft Fragen auf

Nach dem spektakulären Einbruch in eine Gelsenkirchener Sparkasse hat die Polizei das Institut am Dienstag durchsucht. Es sei dabei vorrangig um die Sicherung von Daten betroffener Kunden gegangen, sagte ein Polizeisprecher nach Abschluss der Maßnahme. Außerdem wolle man mit der Sicherung von Beweismaterial vor Ort einen objektiven Überblick erlangen - etwa zur Frage, welche Mitarbeiter Zugang zum Tresorraum hatten, erläuterte er.

Es gehe dabei nicht um einen Verdacht gegen die Sparkasse oder einzelne Mitarbeiter, betonte der Sprecher. "Wir haben keinen Verdacht gegen irgendwen", stellte er klar. Am Abend waren mehrere Kisten und Säcke von der Polizei mitgenommen worden. Zu dem Millionen-Coup ermittelt eine besondere Aufbauorganisation der Polizei mit dem Namen "Bohrer". Zuvor hatten mehrere Medien berichtet, dass es sich bei dem Überfall um einen "Inside Job" handeln könnte. Unter anderem der Focus will erfahren haben, dass die Täter möglicherweise über Zugangskarten zu bestimmten Räumen verfügten.

Bohrer-Überfall ein "Inside Job"? Ermittler durchsuchen erneut Sparkasse

Die Sparkasse Gelsenkirchen betonte, man unterstütze die Ermittlungsbehörden nach Kräften und habe sich in keiner Weise gegen die Herausgabe von geforderten Daten gesperrt. Die Staatsanwaltschaft habe "beispielsweise Videoaufnahmen und Listen angefordert, deren Zusammenstellung, Sicherung und Übermittlung mehr Zeit in Anspruch nehmen", teilte die Sparkasse in einer Stellungnahme am Abend mit. "Die Herausgabe war uns daher bislang nicht möglich."

Die Täter sind weiter auf der Flucht. Sie waren in einen Archivraum der Sparkassen-Filiale im Stadtteil Buer eingedrungen, von dem aus sie ein großes Loch in den Tresorraum bohrten. Sie brachen fast alle 3.250 Kunden-Schließfächer auf. Einsatzkräfte hatten den Einbruch vergangene Woche Montag nach einem Alarm der Brandmeldeanlage entdeckt. Die Beutetour zog sich möglicherweise über mehrere Tage hin. Der Schaden wird noch ermittelt. Er soll nach ersten Schätzungen der Polizei im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen, könnte aber sogar noch deutlich höher sein.

Die Sparkasse bleibt nach Angaben eines Sparkassensprechers vorerst weiter geschlossen. Der geplünderte Tresorraum sei von der Polizei versiegelt worden. Bevor die Bank ihre Tätigkeit wieder aufnehmen könne, müssten Unterlagen und Gegenstände in dem Raum für die Kunden gesichert werden. Es sei aktuell schwer zu sagen, wie lange das noch dauern werde.

Wohl über 1500 Kunden betroffen - Schaden möglicherweise höher als gedacht

Inzwischen hätten mehr als 1500 Kunden über eine telefonische Hotline oder auf anderem Weg Kontakt mit der Bank aufgenommen, sagte der Sparkassensprecher. Mit Zustimmung der Kunden würden die Daten an die Polizei weitergeleitet, die automatisch Anzeige erstellt. Die Schließfächer sind laut Sparkasse pauschal bis zu einer Summe von jeweils 10.300 Euro versichert.

Allein daraus ergibt sich bei mehr als 3000 Schließfächern eine mögliche Schadenssumme von rund 30 Millionen Euro. Über 100 Kunden hätten aber Zusatz-Versicherungen über höhere Summen abgeschlossen, sagte der Sparkassensprecher. Auch bei der Polizei seien teilweise Schadenssummen deutlich über dem versicherten Wert genannt worden, teils sechsstellige, sagte ein Polizeisprecher. Der Marler Anwalt Burkhard Benecken, der nach eigenen Angaben knapp 50 Geschädigte vertritt, warf der Bank eine mögliche Verletzung der Aufklärungspflicht vor. Dass es eine Versicherungshöchstgrenze gab, sei vielen Mandanten erst nachträglich klargeworden. "Sie sind aus allen Wolken gefallen", sagte er.

Zwar stehe dies in den Schließfachverträgen, aber die Einleger seien meist juristisch unerfahren, die Bank hätte sie aktiv darauf hinweisen müssen, sagte Benecken. Dies könne möglicherweise zu einer Grundlage für zivilrechtliche Ansprüche gegen die Sparkasse werden. Der Sparkassensprecher sagte, dass die Begrenzung der Haftung in den Verträgen "klar und explizit enthalten" sei.

 

Bei seinen Mandanten liege der Schnitt der eingelagerten Werte bei mindestens 100.000 Euro pro Schließfach, manche hätten 300.000 bis 400.000 Euro gelagert, sagte Benecken. Der Anwalt widersprach Spekulationen über Schwarzgeld in den Fächern. Ein Großteil seiner Mandanten habe bereits Nachweise über einen seriösen Erwerb - etwa Videos von der Einlagerung von Bargeld oder Goldschmuck - vorgelegt. Benecken hatte zuvor mit dem Kölner Stadt-Anzeiger gesprochen.

Der spektakuläre Einbruch mit Millionenbeute soll kommende Woche Dienstag in einer Sondersitzung des Innenausschusses im nordrhein-westfälischen Landtag aufgearbeitet werden. Die SPD hatte einen entsprechenden Antrag eingereicht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Demnach soll es neben dem Sachstand der Ermittlungen auch um Fragen nach Schwachstellen im Sicherheitskonzept der Sparkasse und mögliche Verbindungen zur organisierten Kriminalität gehen.

Update vom 03.01.2026: Zeigen Kamera-Aufnahmen die Sparkassen-Täter?

Nach dem Einbruch in die Sparkasse Gelsenkirchen mit einer Beute in zweistelliger Millionenhöhe hat die Polizei Bilder der maskierten Verdächtigen veröffentlicht. Es handelt sich um Aufnahmen von Überwachungskameras. Laut einem Polizeisprecher wurden sie am 29. Dezember in dem benachbarten Parkhaus aufgenommen, von dem aus sich die Einbrecher Zugang zur Bank verschafft hatten.

Auf den Bildern sind drei Menschen mit schwarzen Sturmhauben zu sehen. Eine Person trägt rote Handschuhe, eine andere grüne Handschuhe. Außerdem wurden Fotos eines schwarzen Audi RS 6 sowie eines weißen Kleintransporters Mercedes-Citan veröffentlicht. Nach Einschätzung der Ermittler könnten sie von den Tätern als Fluchtfahrzeuge verwendet worden sein. Beide Fahrzeuge haben laut Polizei gefälschte Kennzeichen - der Audi mit einem aus Hannover, der Mercedes mit einem aus Beckum.

Die Polizei bittet um Hinweise zu den Personen und den Fahrzeugen. Zeugen können diese über das Fahndungsportal oder telefonisch unter den Nummern 0209/365-8112 oder 0209/365-8240 übermitteln.

Fast alle 3250 Kunden-Schließfächer aufgebrochen

Die Ermittler wollen die Aufklärung des Verbrechens ab sofort in einer sogenannten Besonderen Aufbauorganisation (BAO) vorantreiben. Das schaffe zusätzliche Kapazitäten, um dem großen Arbeitsaufwand gerecht werden zu können, teilte die Polizei mit. Eine BAO wird vor allem bei besonderen Ereignissen und komplexen Großeinsätzen wie Anschlägen und Großdemonstrationen eingesetzt.

Bei dem Einbruch hatten die Täter nahezu alle 3250 Kunden-Schließfächer der Sparkasse-Filiale im Stadtteil Buer aufgebrochen. Sie drangen in einen Archivraum ein, von dem aus sie ein großes Loch in den Tresorraum bohrten.

Einsatzkräfte entdeckten den Einbruch am frühen Montagmorgen (29. Dezember 2025) nach einem Alarm der Brandmeldeanlage. Die Beutetour erstreckte sich möglicherweise über mehrere Tage: Zeugen beobachteten in der Nacht von Samstag auf Sonntag mehrere Männer mit großen Taschen im Treppenhaus des Parkhauses.

Wie hoch ist der Schaden?

Die Beute wurde zunächst grob mit der Versicherungssumme in Höhe von rund 30 Millionen Euro angegeben, könnte aber auch deutlich darüber liegen. "Wir gehen von einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag aus", sagte ein Sprecher der Polizei. Wie hoch die Schadenssumme sei, lasse sich derzeit jedoch nicht seriös sagen.

Auch die Sparkasse äußerte sich dazu nicht. "Wir wissen nicht, was in den Schließfächern drin ist", sagte ein Sprecher. Die Sparkassenfiliale ist vorerst geschlossen. "Wir arbeiten daran, dass wir so schnell wie möglich wieder öffnen können", hieß es am Samstag.

Bereits am Mittwoch untersuchte die Polizei Videoaufnahmen aus dem nahegelegenen Parkhaus. Laut einem Sprecher hatten sich die Aufnahmen in einer Whatsapp-Gruppe verbreitet, in der sich betroffene Sparkassen-Kunden zusammengeschlossen haben.

Viele Hinweise aus vielen Richtungen

Nach dem spektakulären Einbruch gehen die Ermittler einer "Flut" an Hinweisen nach. Eine heiße Spur gibt es den Angaben zufolge jedoch nicht. "Wir haben viele Hinweise aus vielen Richtungen", sagte ein Polizeisprecher bereits am Freitag. "Das reißt gar nicht mehr ab", sagte ein Polizeisprecher zu den Hinweisen. Dabei gebe es ein breites Spektrum. So meldeten sich auch Sachverständige und Ermittler aus anderen Bundesländern, um Hinweise in dem Fall zu geben. Eine Festnahme stehe momentan aber nicht bevor.

Ursprungsmeldung vom 30.12.2025: Tumult vor Bank nach spektakulärem Tresor-Coup

Spektakulärer Coup: Bei dem Einbruch in den Tresorraum einer Sparkassenfiliale in Gelsenkirchen haben die Täter nach erster Schätzung von Ermittlern rund 30 Millionen Euro erbeutet. Es seien 3.200 Schließfächer aufgebrochen worden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen. Mehr als 2500 Geschädigte seien betroffen. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.

Es dürfte sich damit um einen der größten Coups bei einem Einbruch in der bundesdeutschen Kriminalgeschichte handeln. Der spektakuläre Einbruch war durch einen Brandmeldealarm entdeckt worden. Erneut versammelte sich am Dienstag einer Menge aufgebrachter Menschen vor der Filiale.

Nach dem Einbruch wächst der Unmut unter den besorgten Kunden. Am zweiten Tag infolge versammelte sich eine große Menschenmenge vor der Sparkassenfiliale im Stadtteil Buer, die Informationen erhalten wollten. Die Zahl der in der Kälte wartenden Menschen vor der Bankfiliale stieg am frühen Vormittag wieder auf schätzungsweise 200 an, wie ein dpa-Reporter berichtete. "Wir wollen rein, wir wollen rein!", forderte lautstark ein Sprechchor. 

Hat die Polizei bereits eine Spur? Täter mit Masken flüchten in hochmotorisiertem Auto

Die Lage drohte zu eskalieren. Mehrere Menschen stürmten an Mitarbeitern einer Sicherheitsfirma vorbei in den Vorraum der Sparkasse. Die Polizei rückte mit mehreren Streifenwagenbesatzungen an und sicherte den Eingang. Die Polizei machte mehrfach eine Durchsage: "Die Bank bleibt heute geschlossen, Informationen auf der Website der Sparkasse. Gehen Sie nach Hause."

Ersten Erkenntnissen zufolge erfolgte der Vorstoß der Täter über ein Parkhaus. Der Weg führte durch mehrere Türen in einen Archivraum, an dessen Wand schließlich ein Durchbruch zu dem Tresorraum erfolgte. Dabei kam ein Spezialbohrer zum Einsatz. Die Polizei hatte am Montag die Spuren am Tatort gesichert. Einer Spur zu den Tätern gehen die Ermittler bereits nach. Zeugen gaben Hinweise auf mehrere Männer, die in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit großen Taschen im Treppenhaus eines angrenzenden Parkhauses gesehen worden seien, teilte die Polizei mit.

Videobilder aus dem Parkhaus zeigten einen hochmotorisierten schwarzen Wagen, der am frühen Montagmorgen das Parkhaus verlassen habe. Im Auto hätten maskierte Täter gesessen, von denen einer die Schranke zur Ausfahrt betätigt habe, teilte die Polizei weiter mit. Das Kennzeichen an dem Fahrzeug sei zuvor in Hannover entwendet worden.

Zuvor Brandmeldealarm in Gebäude

Bereits am Samstag habe es einen Brandmeldealarm in dem Bankgebäude gegeben. Damals seien Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr gegen 6.15 Uhr vor Ort gewesen, hätten aber nichts feststellen können, was auf einen Schaden schließen lasse. Die genauen Abläufe dieses Einsatzes würden bei den Ermittlungen geprüft. 

Auf ihrer Internetseite bat die Sparkasse darum, von einem Besuch vor Ort abzusehen. "Aktuell klären wir mit der Versicherung, wie die Schadensabwicklung so kundenfreundlich wie möglich erfolgen kann. Dazu werden wir alle betroffenen Kundinnen und Kunden informieren", hieß es.