Anschlagspläne auf Kölner Dom - Maßnahmen zu Heiligabend
Autor: dpa
, Sonntag, 24. Dezember 2023
Mit Spürhunden und großem Aufgebot untersucht die Polizei am Tag vor Heiligabend den Kölner Dom. Der Grund: Die Kathedrale ist möglicherweise Angriffsziel von Islamisten.
Sicherheitskontrollen am Eingang, Polizeifahrzeuge vor der Kathedrale: Kurz vor den Weihnachtsgottesdiensten hat die Polizei die Sicherheitsmaßnahmen am Kölner Dom deutlich erhöht.
Die Sicherheitsbehörden hatten nach dpa-Informationen Hinweise auf einen möglichen Anschlagsplan einer islamistischen Gruppe auf den Dom und eine Kirche in Wien erhalten. Nach Angaben der Kölner Polizei bezogen sich die Hinweise auf Silvester. Die Menschen sollten sich nicht vom Kirchenbesuch abhalten lassen, weil der Schutz durch die Behörden funktioniere, machte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul deutlich.
Polizisten kontrollierten die Besucher des Doms, wie ein dpa-Reporter berichtete. Die Polizei zeigte auch davor mit Beamten und etwa ein Dutzend Fahrzeugen Präsenz. Touristische Besuche waren nach Kirchenangaben nicht möglich. Am Samstagabend hatte die Polizei den Dom bereits mit Spürhunden durchsucht, fand eigenen Angaben jedoch nichts Auffälliges.
Sicherheitsmaßnahmen in Wien
Auch in Wien erhöhte die Polizei die Sicherheitsmaßnahmen. In Österreich hatte der Verfassungsschutz am Samstag bei Ermittlungen gegen ein islamistisches Netzwerk vier Menschen festgenommen. Derzeit liefen Befragungen der Verdächtigen und entsprechende Auswertungen, teilte die Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst im österreichischen Innenministerium auf dpa-Anfrage mit. Nähere Details könnten aus kriminaltaktischen Gründen derzeit nicht genannt werden. Die «Bild» berichtete zudem von einer Festnahme in Deutschland. Dazu gab es zunächst jedoch keine Bestätigung.
Nach Angaben einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien gab es keine Anhaltspunkte, dass ein Anschlag in Wien unmittelbar bevorgestanden hätte. Sie sagte der österreichischen Nachrichtenagentur APA, in Wien seien drei Männer festgenommen worden. Bei Hausdurchsuchungen seien Datenträger sichergestellt worden. Gegen sie werde wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in Verbindung mit terroristischen Straftaten ermittelt.
Nach dpa-Informationen könnte es bei der verdächtigen Gruppe möglicherweise einen Bezug zu einem Ableger des Terrornetzwerks Islamischer Staat (IS) geben, der sich Islamischer Staat Provinz Khorasan (ISPK) nennt und in Afghanistan schon seit einigen Jahren einen bewaffneten Konflikt mit den militant-islamistischen Taliban austrägt. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien wollte sich dazu nicht äußern.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte im April betont, obwohl die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak als weitestgehend besiegt gelte, sei die Gesamtorganisation noch lange nicht zerschlagen. Behördenchef Thomas Haldenwang sagte damals: «Unter den verschiedenen Ablegern des IS sticht besonders der "Islamische Staat Provinz Khorasan", kurz ISPK, hervor.»