Gasspeicher sorgen für Nervosität - welche Rolle haben sie?
Autor: Andreas Hoenig, dpa
, Donnerstag, 17. Sept. 2026
Der niedrige Füllstand der Gasspeicher in Deutschland beunruhigt viele Menschen. Aber wie funktioniert eigentlich das System der Gasspeicher?
Bis zum Winter sind es noch ein paar Monate. Dennoch geht der Blick schon auf die kalte Jahreszeit. Grund sind die vergleichsweise niedrigen Füllstände der Gasspeicher in Deutschland. Doch was ist eigentlich die Funktion eines Speichers und welche Rolle spielen sie bei der Gasversorgung? Ein Überblick:
Wie funktioniert ein Gasspeicher?
Gasspeicher nehmen Gas aus dem Gasnetz auf und geben es zu einem späteren Zeitpunkt wieder in das Netz zurück, so Sebastian Heinermann, Geschäftsführer des Branchenverbands Initiative Energien Speichern (Ines). In Deutschland werde Gas vor allem in unterirdischen Kavernen- und Porenspeichern gelagert. «Gemeinsam ermöglichen beide Speichertypen, Gas zeitlich zwischen Angebot und Nachfrage zu verschieben.»
Wie viele Gasspeicher gibt es in Deutschland?
Deutschland verfügt über die größten Gasspeicherkapazitäten in der Europäischen Union. Die rund 45 Untertage-Gasspeicher sind räumlich über ganz Deutschland verteilt und können knapp 24 Milliarden Kubikmeter Arbeitsgas aufnehmen. Das entspricht rechnerisch ungefähr einem Viertel der in Deutschland im Jahr verbrauchten Gasmenge.
Wer lagert Gas in den Speichern ein - und warum?
Das Gas wird nach Ines-Angaben in der Regel nicht von den Speicherbetreibern selbst eingelagert. Speicherbetreiber stellten Speicherkapazität als Dienstleistung zur Verfügung. Eingespeichert wird Gas vor allem von Gashändlern, Energieversorgern, Stadtwerken, Kraftwerksbetreibern und industriellen Verbrauchern.
«Unternehmen können Gas dann einkaufen, wenn es verfügbar oder preislich attraktiv ist, und zu einem späteren Zeitpunkt wieder entnehmen», so der Verband Gas- und Wasserstoffwirtschaft. «Gleichzeitig dienen Speicher dazu, Lieferverpflichtungen abzusichern, saisonale Verbrauchsschwankungen auszugleichen und kurzfristig auf Veränderungen von Nachfrage oder Angebot zu reagieren.»
Gashändler und Lieferanten sicherten mit ihren individuellen Beschaffungsportfolien ihre vertraglichen Lieferverpflichtungen ab, sagt Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft. Dazu gehörten auch Speichermengen. «Wie der jeweilige Gashändler oder Lieferant die Versorgung sicherstellt, bleibt ihm überlassen.» Gegenüber den vergangenen Jahren sei mit dem Aufbau der inländischen Terminals für Flüssigerdgas (LNG) eine weitere Säule in der Versorgung gestärkt worden, die genutzt werde.
Warum gibt es so niedrige Füllstände?
Die Füllstände der Gasspeicher in Deutschland liegen aktuell auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau von rund 56 Prozent. Normalerweise kaufen Großhändler im Sommer Erdgas günstig ein. Sie speichern es und verkaufen es im Winter mit Gewinn weiter, um auch die Kosten der Speicherung zu decken. Dieser sogenannte Sommer-Winter-Spread ist ein wichtiger wirtschaftlicher Anreiz für die Befüllung der Gasspeicher.