Schwarz-roter Fehlstart in das Wahljahr
Autor: Michael Fischer, Theresa Münch, Martina Herzog, Anne-Béatrice Clasmann, Ulrich Steinkohl, dpa
, Montag, 09. März 2026
Die CDU hat eine bittere Niederlage eingefahren, die SPD ist abgestürzt. Trotzdem ist erst einmal Stillhalten bis zur nächsten Wahl angesagt. An welcher Stelle kracht es dann?
Ein Wahlverlierer wird eigentlich anders begrüßt. Mit rhythmischem Klatschen würdigt der CDU-Vorstand unter Leitung des Kanzlers und Parteichefs Friedrich Merz am Tag nach der Wahl im Konrad-Adenauer-Haus seinen Spitzenkandidaten Manuel Hagel. Dabei ist diesem ein sicher geglaubter Sieg bei der Wahl in Baden-Württemberg auf den letzten Metern entglitten.
Das Signal ist klar: Die Niederlage abhaken, keine Schwäche zeigen. Die nächste Wahl ist schon in zwei Wochen in Rheinland-Pfalz. Da geht es dann auch für die Richtung 5 Prozent abgestürzte SPD um extrem viel. Und erst danach wird man wissen, was der Auftakt des Wahljahrs mit der schwarz-roten Koalition und ihren Reformprojekten tatsächlich machen wird.
CDU: Keine Schuldzuweisungen und FDP als Stimmenlieferant
Merz räumte die Niederlage nach den Gremiensitzungen zwar unumwunden ein, sagte aber auch, dass es keine Schuldzuweisungen von Berlin nach Stuttgart oder umgekehrt geben werde: «Wir gewinnen zusammen, und wir verlieren auch zusammen.»
Der Kanzler beteuerte gleich mit, dass die Wahl nicht zu Spannungen in der Koalition führen werde. Das habe er mit den Parteichefs des Koalitionspartners, Lars Klingbeil und Bärbel Bas, so abgemacht. «Wir werden uns auch im Verlaufe des Jahres von Landtagswahl nicht von unserem Weg abbringen lassen», sagte er gleich für alle weiteren vier Landtagswahlen des Jahres mit. Die Probe aufs Exempel wird nach Rheinland-Pfalz kommen. Wer dort von den beiden Regierungsparteien verliert, hat nach der doppelten Wahlschlappe für die Koalition in Baden-Württemberg ein Problem.
In Rheinland-Pfalz will die CDU nun in der Endphase des Wahlkampfs vor allem Stimmen bei der FDP absaugen, die ums Überleben kämpft. Vier Prozent für die FDP seien «ein Prozent mindestens zu wenig für die FDP, aber vier Prozent zu wenig für die CDU», rechnete Merz vor. Er rief die FDP-Wähler unverhohlen zum Überlaufen zur CDU vor.
SPD: Parole «Zwei Wochen Stillhalten»
Wo ist Lars Klingbeil? Seine Partei hat gerade das historisch schlechteste Wahlergebnis bei einer Landtagswahl eingefahren - und der SPD-Chef? Schickt bei öffentlichen Auftritten den Generalsekretär vor. Manche in der Partei hätten sich eine offensivere Reaktion gewünscht, ein kämpferisches Zeichen. So ist es Tim Klüssendorf, der in der Berliner SPD-Zentrale am Tag danach zerknirscht eingesteht, man habe sich in Baden-Württemberg mehr ausgerechnet.
Bemühtes Lächeln, die Partei aufgerieben im Zweikampf von CDU und Grünen. «Uns wird zu wenig zugetraut, dass wir die Kraft sind, die am Ende wirklich die Arbeitsplätze in Deutschland sichert», sagt der Generalsekretär.