Erneut kein leichter Tag für die Passagiere der Lufthansa: Das streikende Bodenpersonal wird von den Luftsicherheitskräften unterstützt. An zwei Flughäfen bewegt sich so gut wie nichts mehr.
Mit erneuten Warnstreiks gleich mehrerer Berufsgruppen legt die Gewerkschaft Verdi morgen wichtige Teile des deutschen Luftverkehrs lahm. Passagiere müssen sich auf hunderte Flugausfälle und Verspätungen einrichten. Neben dem Bodenpersonal der Lufthansa sind zusätzlich die Luftsicherheitskräfte in Frankfurt und Hamburg zur Arbeitsniederlegung aufgerufen.
Damit können Passagiere am Donnerstag nicht von diesen beiden Flughäfen fliegen - es sei denn, sie steigen dort nur um. Zu ersten Flugausfällen soll es bereits am Abend kommen, weil die technischen Abteilungen des Bodenpersonals schon früher in den Warnstreik treten sollten.
Flughafen München soll trotz Streik geöffnet bleiben
Der Flughafen München soll hingegen trotz Streiks am Donnerstag und Freitag geöffnet bleiben, rechnet aber mit vielen Flugausfällen. «An beiden Streiktagen finden nur 10 bis 20 Prozent des Flugprogramms statt», teilte eine Sprecherin der Lufthansa mit. Demnach waren für den gesamten Zeitraum des Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi im Tarifstreit mit der Lufthansa ursprünglich rund 1000 Flüge in München geplant. Laut einem Sprecher des Flughafens entfallen allein am Donnerstag rund 500 der 800 für den Tag geplanten Flüge. Für Freitag sei mit einer ähnlichen Quote zu rechnen.
Mit den rund 19.000 Flugbegleitern der Lufthansa und ihrer Tochter Cityline hat sich eine weitere Berufsgruppe streikbereit gemacht. Die Kabinen-Gewerkschaft Ufo berichtete von einer überwältigenden Beteiligung an der Urabstimmung, bei der mehr als 96 Prozent für einen Arbeitskampf gestimmt hätten. Einen Streiktermin nannte die Spartengewerkschaft aber noch nicht. Ein Streik sei weiterhin vermeidbar, meinte Ufo-Chef Joachim Vázquez Bürger. «Wir bleiben auch weiterhin offen für angemessene Angebote und faire Lösungen des Arbeitgebers, um Streiks möglicherweise noch kurzfristig abzuwenden.»
Öffentliche Signale könnte Lufthansa-Chef Carsten Spohr senden, der am Donnerstag in Frankfurt die Jahresbilanz des MDax-Konzerns präsentiert. Nach den bisherigen Ankündigungen hat sich Europas umsatzstärkster Luftverkehrskonzern vom Corona-Schock weiter erholt und wird mit rund 2,7 Milliarden Euro einen der höchsten operativen Gewinne seiner Geschichte ausweisen.
Bereits am Dienstagabend hatte der Flughafen Hamburg wegen der fehlenden Sicherheitskontrollen alle 141 Abflüge für den Donnerstag gestrichen. Die Maschinen würden teilweise ohne Passagiere starten, teilte die Pressestelle des Helmut-Schmidt-Flughafens mit. Das sei notwendig, um weitere Störungen im Flugverkehr zu vermeiden. Für Freitag erwartet der Airport viele Umbuchungen, sodass mit stark ausgelasteten Flügen zu rechnen sei. Wegen des parallelen Lokführerstreiks entfällt aber die Möglichkeit, zumindest auf Kurzstrecken auf die Bahn umzusteigen.
Ankünfte werden in Frankfurt möglich sein
Der Frankfurter Betreiber Fraport empfiehlt den Passagieren, Kontakt mit ihren Airlines aufzunehmen und auf keinen Fall zum Flughafen zu kommen. Ursprünglich waren am größten deutschen Flughafen für Donnerstag 1170 Starts und Landungen mit rund 160.000 Passagieren an Bord geplant. Welche Verbindungen ausfallen, sei Sache der jeweiligen Airline, sagte ein Flughafensprecher. Der Flughafenbetrieb werde aufrechterhalten, sodass Transitpassagiere weiterhin umsteigen könnten. Auch Ankünfte werden in Frankfurt möglich sein.