Fokus auf AfD-Mitarbeiter mit familiärem Hintergrund
Autor: Anne-Beatrice Clasmann, Oliver Auster und Kilian Genius, dpa
, Freitag, 20. Februar 2026
Man kennt sich, man vertraut einander. Das ist in der Politik nicht ungewöhnlich. Dennoch fragen sich manche, ob Abgeordnete der AfD womöglich zu viele Angehörige von Parteifreunden beschäftigen.
Vorwürfe von Vetternwirtschaft ziehen in der AfD immer weitere Kreise. Wie aus der Parteispitze verlautete, wird sich der Bundesvorstand am Montag zudem mit Anschuldigungen gegen führende Funktionäre des AfD-Landesverbandes Niedersachsen beschäftigen. Die beruhen jedoch bislang nur auf Aussagen einiger Parteimitglieder und werden von den Beschuldigten vehement zurückgewiesen.
Minijob für eine 85-Jährige in NRW
Derweil rücken Beschäftigungsverhältnisse bei Landtagsabgeordneten in Nordrhein-Westfalen in den Fokus. Laut einem «Spiegel»-Bericht geht es unter anderem um eine 85-Jährige, die auf Minijob-Basis für den AfD-Landtagsabgeordneten Klaus Esser tätig ist. Dieser wies den Vorwurf, er beschäftige die Frau nur zum Schein, auf dpa-Anfrage zurück. Er tue vielmehr etwas für die «Teilhabe von älteren Menschen».
Die Seniorin ist die Ehefrau eines AfD-Mitglieds aus dem Sauerland. Esser betonte, seine Angestellte sei «geistig sehr fit» und bereite aus dem Homeoffice heraus etwa Kleine Anfragen oder Anträge vor.
Der nordrhein-westfälische Landtag stoppt nun allerdings vorerst die Erstattung der Gehaltszahlungen für die Mitarbeiterin. «Die aktuelle Berichterstattung zur Mitarbeiterbeschäftigung des Abgeordneten ist Anlass für ein Anhörungsanschreiben des Präsidenten des Landtags, André Kuper, an den Abgeordneten Klaus Esser», sagte ein Landtagssprecher. Der Abgeordnete werde zur Stellungnahme aufgefordert. Der Landtagspräsident habe Esser informiert, «dass bis zur Klärung der Angelegenheit die Erstattung der Gehaltszahlung für die Mitarbeiterin durch die Landtagsverwaltung ausgesetzt wird.»
Abgeordnete beschäftigt Ehefrau eines AfD-Lokalpolitikers
Enxhi Seli-Zacharias, ebenfalls AfD-Abgeordnete im Düsseldorfer Landtag, taucht in einer Recherche des «Kölner Stadt-Anzeiger» auf: Sie beschäftigt demnach seit etwa drei Jahren die Ehefrau eines Duisburger AfD-Lokalpolitikers auf Minijob-Basis. Da der Ehemann kein Abgeordneter sei, sehe sie kein Problem in der Anstellung der Frau, sagte Seli-Zacharias der dpa.
Tatsächlich ist gemäß NRW-Abgeordnetengesetz nur verboten, dass ein Abgeordneter Ehefrau oder Ehemann eines anderen Abgeordneten beschäftigt. Ein Landtagssprecher sagte: «Verstöße hiergegen sind der Landtagsverwaltung nicht bekannt.»
Ehefrau von Münzenmaier arbeitet für Jungbluth
Die Beschäftigung seiner Frau beim AfD-Europaparlamentarier Alexander Jungbluth sei «von Anfang an völlig transparent auf der Internetseite des Europäischen Parlaments öffentlich für Jedermann einsehbar und kein Geheimnis», sagte der stellvertretende rheinland-pfälzische AfD-Landeschef und Bundestagsfraktionsvize Sebastian Münzenmaier. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.