Fehler an vielen Stellen – Was folgt aus Magdeburg-Anschlag?
Autor: Christopher Kissmann, dpa
, Dienstag, 19. Mai 2026
Betonblöcke am falschen Platz, Warnungen ignoriert: Wie Behördenversagen und Fehler den Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt begünstigten – und welche Schritte nun eingeleitet werden könnten.
30 Sitzungen, 141 Zeugen, mehr als 400 Seiten Abschlussbericht – 15 Monate lang hat der Landtag von Sachsen-Anhalt den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt intensiv aufgearbeitet. Über allem schwebte die Frage: Hätte die Todesfahrt, bei der im Dezember 2024 sechs Menschen starben und mehr als 300 Personen teils schwerst verletzt wurden, verhindert werden können?
Ein zentrales Ergebnis: Schwächen und Fehler im Handeln von Behörden haben es dem Täter zumindest leicht gemacht, die Tat zu begehen, wie Vertreter von CDU, SPD und FDP bei der Vorstellung des Abschlussberichts zum parlamentarischen Untersuchungsausschuss deutlich machten. Was ist sonst noch im herausgekommen?
Mangelhaftes Sicherheitskonzept
Bei der Abnahme des Weihnachtsmarkts sind Fehler passiert, zudem wurde die Positionierung der Betonblöcke als Schutzmaßnahme hinterfragt. Der Täter war zwischen einer Fußgängerampel und einer Betonblocksperre hindurch auf den Weihnachtsmarkt gefahren.
Die Oppositionsfraktionen haben hier eine klare Auffassung. «Die Tat, so wie sie vorgenommen worden ist, wäre verhinderbar gewesen», sagte Linken-Fraktionschefin Eva von Angern. Sie kritisiert die Stadt und den Veranstalter. «Fakt ist: Die Steine standen nicht dort, wo sie hätten stehen müssen laut Sicherheitskonzept.»
Das sehen die Grünen ähnlich. Schutzkonzepte müssten immer wieder angepasst und Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit überprüft werden, sagte Obmann Sebastian Striegel. «Das ist nicht geschehen. Dafür trägt die Stadt Magdeburg die Verantwortung.» Die AfD bewertet den Anschlag als «Resultat eines komplexen Behördenversagens».
Die Koalition ist zurückhaltender bei der Frage, ob der Anschlag hätte verhindert werden können. «Diese Frage kann man weder klar mit Ja noch mit Nein beantworten», sagte die CDU-Obfrau Kerstin Godenrath.
Fehler bei der Polizei
Dem Landeskriminalamt (LKA) und anderen Polizeibehörden lagen vor dem Anschlag immer wieder Informationen zum späteren Täter vor. Dieser erstattete selbst Anzeigen, zudem wurde mehrfach gegen ihn ermittelt. Die Informationen wurden aber nicht zentral zusammengeführt. Mehrere Abgeordnete kritisieren zudem, dass das LKA die Radikalisierung des Täters nicht erkannt habe.