«Faule Jugend»? Daten widersprechen dem Vorwurf
Autor: Marc Fleischmann, dpa
, Mittwoch, 12. August 2026
Die Generation Z gilt als anspruchsvoll, unzuverlässig oder sogar arbeitsunwillig. Doch Studien und Arbeitsmarktdaten zeichnen ein anderes Bild. Warum sich das Klischee trotzdem hält.
Will die Jugend von heute nicht mehr arbeiten? Kaum ein Vorwurf taucht in Debatten über die Generation Z so regelmäßig auf wie dieser. Vier-Tage-Woche, Work-Life-Balance oder Sabbatical gelten manchen als Beleg dafür, dass junge Menschen weniger leistungsbereit seien als frühere Generationen. Doch passt dieses Bild wirklich zur Realität? Zum Internationalen Tag der Jugend (12. August) ein Blick auf die Datenlage.
Was die Arbeitsmarktforschung zu dem Vorwurf sagt
«In der Tat gibt es gegenüber der Generation Z das Klischee der Arbeitsunwilligkeit. Nach allen harten Indikatoren, die wir haben, trifft das nicht zu», erklärt Arbeitsmarktforscher Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).
Sein Befund stützt sich auf mehrere Entwicklungen: Die Erwerbsbeteiligung junger Menschen sei so hoch wie seit Jahrzehnten nicht, ihre Arbeitszeit entwickle sich ähnlich zu der älterer Beschäftigter und sie wechselten ihren Arbeitsplatz nicht häufiger als frühere Generationen. «Das Bild von jungen Leuten, die entweder im Sabbatical oder in der Dreitagewoche sind, ist keine treffende Beschreibung der Generation Z», sagt Weber.
Die Generation Z umfasst je nach Definition ungefähr die zwischen Ende der 1990er- und den frühen 2010er-Jahren Geborenen. Einheitliche Geburtsjahrgänge gibt es nicht.
Andere Erwartungen sind nicht gleich Arbeitsunwilligkeit
Warum hält sich diese Vorstellung trotzdem? Nach Einschätzung von Weber hat sich weniger die Bereitschaft zu arbeiten verändert als die Erwartung an gute Arbeit. Als mögliche Ursachen verweist er auf Erfahrungen aus der Corona-Pandemie, eine stärkere Erwerbstätigkeit beider Partner und den Wunsch nach mehr Selbstbestimmung. Diese Entwicklungen hätten die Ansprüche an Flexibilität erhöht, bedeuteten aber nicht, dass junge Menschen grundsätzlich weniger arbeiten wollten.
Zu diesem Ergebnis kommt auch die Studie «Jugend in Deutschland 2026», für die gut 2.000 Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren den Angaben nach repräsentativ befragt wurden. Sie beschreibt - trotz schwieriger Lage - eine hohe Leistungsbereitschaft der jungen Generation. Die große Mehrheit ist demnach bereit, zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig würden Zweifel wachsen, ob sich Leistung in Deutschland noch lohnt. Für Jugendforscher Klaus Hurrelmann, fachlicher Begleiter der Studie, müsse deshalb das Ziel sein, «der jungen Generation mehr Vertrauen und mehr Verantwortung zu geben».
Welche Geschichte die Arbeitsmarktdaten erzählen
Ob das verbreitete Bild einer arbeitsunwilligen Generation zutrifft, lässt sich anhand von Arbeitsmarktdaten überprüfen. Das IAB hat dafür auf Basis des Mikrozensus und der Arbeitskräfteerhebung gerade erst die Erwerbsbeteiligung der 20- bis 24-Jährigen ausgewertet: Diese stieg demnach zwischen 2015 und 2025 um mehr als sieben Prozentpunkte auf knapp 77 Prozent - laut IAB der höchste Stand seit Jahrzehnten. Gemeint ist der Anteil der jungen Erwachsenen, die erwerbstätig sind oder aktiv nach Arbeit suchen. Ein Rückzug junger Menschen aus dem Arbeitsleben lässt sich daraus nicht gerade ableiten.