EZB hält Zinsen trotz Inflationsgefahren stabil
Autor: Alexander Sturm und Jörn Bender, dpa
, Donnerstag, 19. März 2026
Der Iran-Krieg und steigende Ölpreise schüren Sorgen vor steigenden Verbraucherpreisen. Böse Erinnerungen an die letzte Preiswelle auch in Deutschland setzen die EZB unter Druck.
Die Europäische Zentralbank hält die Leitzinsen trotz Sorgen vor einer neuen Inflationswelle wegen des Iran-Kriegs unverändert. Der für Sparer und Banken wichtige Einlagenzins bleibt bei 2,0 Prozent, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte. Damit tastet die EZB zum sechsten Mal in Folge die Zinsen nicht an.
Allerdings erwartet die Notenbank wegen des Ölpreisschocks und steigender Energiekosten einen Inflationsschub im Euroraum: «Der Krieg im Nahen Osten hat zu deutlich unsichereren Aussichten geführt», sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Er drohe die Inflation anzuheizen und die Wirtschaft zu bremsen.
Neue Inflationswelle?
Im wahrscheinlichsten Szenario erwartet die Notenbank für 2026 eine Teuerungsrate von durchschnittlich 2,6 Prozent im Euroraum. Für Verbraucher hätte das Folgen: Je höher die Inflationsrate, umso weniger können sie sich für einen Euro leisten.
Noch vor wenigen Wochen sah sich die EZB in einer komfortablen Lage im Kampf gegen die Inflation. Denn mit einer Rate von 1,9 Prozent im Februar lag die Inflation nahe am mittelfristigen Ziel der Notenbank von 2 Prozent.
Vom Anstieg der Inflation dürfte Deutschland nicht verschont bleiben. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung erwartet, dass die Inflation hierzulande in der ersten Jahreshälfte von zuletzt knapp zwei Prozent «merklich über 2,5 Prozent» steigen wird.
Schlechte Erinnerungen an Ukraine-Krieg
Die EZB will unbedingt verhindern, dass sie auf eine mögliche neue Preiswelle zu spät reagiert. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 stand sie in der Kritik, den damaligen Preisanstieg lange unterschätzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte zeitweise auf mehr als zehn Prozent hoch.
Mit der Energiekrise stiegen damals auch die Lebensmittel- und Spritpreise in Deutschland, die Inflation kletterte 2022 auf 6,9 Prozent und lag 2023 noch bei 5,9 Prozent. Das kostete die Verbraucher Kaufkraft und die EZB Glaubwürdigkeit. «Bei hohen Energiepreisen ist die EZB ein gebranntes Kind», sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank.