Gestiegene Inflation: EZB hebt Zinsen erstmals seit 2023 an
Autor: Alexander Sturm, Jörn Bender und Lea Winkler, dpa
, Donnerstag, 11. Juni 2026
Der Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs treibt die Verbraucherpreise nach oben. Nun reagiert die Europäische Zentralbank. Sparer profitieren schon jetzt davon.
Mit der ersten Zinserhöhung seit fast drei Jahren stemmt sich die Europäische Zentralbank (EZB) gegen den Inflationsschub infolge des Iran-Kriegs. Die Euro-Währungshüter heben den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent an, wie der EZB-Rat entschied. Die Entscheidung war allgemein erwartet worden.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte in Frankfurt, die Zinserhöhung sei mehr als eine Vorsichtsmaßnahme. Der Krieg drohe die Teuerung im Euroraum weiter anzufachen, während er die Wirtschaft schwäche. Auf weitere Schritte legte sich die Französin angesichts des ungelösten Iran-Konflikts nicht fest: «Es wird kommen, wie es kommen muss.»
Auftakt für eine Serie von Zinserhöhungen?
Volkswirte erwarten zumindest eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr, aber keine Serie. Denn höhere Zinsen verteuern zwar einerseits Kredite für Verbraucher und Firmen, was die Nachfrage bremsen und so die Inflation dämpfen kann. Andererseits sind Zinserhöhungen eine Bürde für die ohnehin schwache Konjunktur. Hebt die EZB die Zinsen zu stark an, läuft sie Gefahr, die Wirtschaft abzuwürgen. Der Außenhandelsverband BGA warnt: Zinserhöhungen schadeten dem Mittelstand, der vielfach auf Kredite angewiesen sei.
«Mit dem heutigen Schritt ist kein Automatismus für eine weitere Zinserhöhung im Juli verbunden», meint der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes BdB, Heiner Herkenhoff. Die EZB gewinne Zeit, die Preis- und Wirtschaftsentwicklung über Sommer sorgfältig zu beobachten. Viele Ökonomen rechnen jedoch mit nächsten Schritten, etwa Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: «Auf ihrer Sitzung im September wird die EZB wohl nachlegen.»
Zuletzt hatte die Notenbank den Zins, den Geschäftsbanken für bei der EZB geparkte Gelder bekommen, siebenmal in Folge bei 2,0 Prozent belassen. Die letzte Zinserhöhung im Euroraum gab es im September 2023. Sparer profitieren von steigenden Leitzinsen, wenn Banken diese weiterreichen.
Bringt der Iran-Krieg den nächsten Preisschub?
Wichtigstes Ziel der Euro-Währungshüter ist es, die Inflation im Zaum zu halten. Der Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs hat die Teuerung kräftig nach oben getrieben. Im Mai lagen die Verbraucherpreise im Euroraum ersten amtlichen Zahlen zufolge um 3,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.
Damit ist die Zielmarke der EZB deutlich überschritten, die Preisstabilität bei mittelfristig zwei Prozent Inflation im Euroraum gewahrt sieht. Auch in Deutschland heizten gestiegene Spritpreise die Teuerung an, der Tankrabatt sorgte hierzulande im Mai für etwas Abschwächung auf 2,6 Prozent Inflation.