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EZB: Keine Zinserhöhung trotz steigender Inflation


Autor: dpa

, Donnerstag, 29. Oktober 2026

Hohe Preise für Heizen und Tanken infolge des Iran-Kriegs treiben die Verbraucherpreise nach oben. Dennoch wartet die EZB vorerst ab. Das hat auch mit der Lage in Frankreich zu tun.
Präsidentin Christine Lagarde hat die EZB durch unsichere Zeiten gesteuert, Anfang Februar tritt sie vorzeitig zurück. (Archivbild)


Die Europäische Zentralbank (EZB) verzichtet trotz stark gestiegener Inflation vorerst auf eine weitere Zinserhöhung. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins bleibt bei 2,5 Prozent. Das hat der EZB-Rat bei seiner Sitzung in Frankfurt entschieden, wie die Notenbank mitteilte. Kurz vor Verkündung der Zinsentscheidung hatte die EZB bekanntgegeben, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde zum 7. Februar 2027 zurücktreten wird. Regulär wäre ihre achtjährige Amtszeit bis Ende Oktober nächsten Jahres gelaufen. 

Dass teure Energie als Folge des Iran-Kriegs die Verbraucherpreise hoch treibt, wäre für die Euro-Währungshüter zwar ein Argument für die dritte Zinsanhebung im laufenden Jahr gewesen. Im September war die Inflationsrate im Euroraum wegen hoher Spritpreise auf 3,8 Prozent geklettert, das ist der höchste Stand seit drei Jahren und weit über dem EZB-Ziel von mittelfristig 2,0 Prozent.

Höhere Leitzinsen verteuern Kredite, was die Nachfrage bremsen und so die Inflation dämpfen kann. Sparer profitieren, wenn Banken die besseren Konditionen weitergeben. Doch höhere Zinsen belasten zugleich alle, die investieren wollen. Das kann die Konjunktur bremsen.

Angespannte Lage in Frankreich 

Auch die politisch aufgeheizte Lage in Frankreich sprach dafür, dass die EZB sich vorerst alle Optionen offen halten will. Bei Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten gab es in Deutschlands Nachbarland, wo im April 2027 Präsidentschaftswahlen stattfinden, jüngst schweren Ausschreitungen und Plünderungen. 

Haushaltspolitisch spitzte sich die Lage in Frankreich ebenfalls zu: Für die zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft, die gemessen an der Wirtschaftskraft fast doppelt so hoch verschuldet ist wie Deutschland, verteuerte sich die Aufnahme neuer Schulden an den Finanzmärkten zuletzt drastisch.

Im Herbst 2025, als es in Frankreich schon einmal kriselte, war an den Finanzmärkten spekuliert worden, ob die EZB Frankreich mit dem Kauf von Staatsanleihen unterstützen würde. Die Notenbank kann mit ihrem Programm TPI («Transmission Protection Instrument») im Krisenfall unbegrenzt Anleihen einzelner Eurostaaten kaufen. Dafür gibt es aber hohe Hürden: Gedacht ist das Instrument für den Fall, dass die Zinsen für Wertpapiere eines Eurostaates durch Finanzspekulation unverhältnismäßig stark hochschnellen. EZB-Präsidentin Lagarde dämpfte jüngst Gerüchte über ein Einschreiten der Notenbank wegen der Krise in Frankreich.

Weitere Zinserhöhung nur aufgeschoben?

Auch bei der Inflation steht die EZB unter Handlungsdruck. Volkswirte halten eine weitere Zinserhöhung bei der letzten Sitzung des EZB-Rates in diesem Jahr Mitte Dezember für denkbar. Dann liegen ihr auch neue Prognosen zu Inflation und Konjunktur vor und verschaffen der Notenbank mehr Klarheit darüber, ob und wie stark sich die höheren Energiepreise auf andere Preise auswirken, etwa auf Lebensmittel. Auch mögliche Zweitrundeneffekte gelten als Risiko: Steigen Löhne als Reaktion auf hohe Inflation zu stark, könnte das die Preise weiter nach oben treiben.

In Deutschland hat die Inflation ebenso wie in anderen Eurostaaten deutlich angezogen. In Europas größter Volkswirtschaft kosteten Waren und Dienstleistungen für Verbraucher im September 3,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor - die höchste Teuerungsrate seit rund drei Jahren.

Die EZB strebt mittelfristig für den Euroraum eine Inflationsrate von 2,0 Prozent an. Bei dieser Marke sieht die Notenbank ihr wichtigstes Ziel erfüllt: Für einen stabilen Euro zu sorgen und die Kaufkraft der Menschen zu erhalten. Nach Einschätzung der EZB müssen sich die Menschen im Euroraum allerdings bis mindestens 2027 auf eine erhöhte Teuerung einstellen.