Ex-Landeschef Albig empfiehlt SPD Zusammenarbeit mit AfD
Autor: dpa
, Samstag, 23. Mai 2026
Sollte die SPD bei Minderheitsregierungen auf Zustimmung der AfD setzen? Schleswig-Holsteins Ex-Ministerpräsident Albig stößt mit seinem Vorschlag auf Widerspruch in der SPD.
Wie umgehen mit der erstarkten AfD? Der frühere Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Torsten Albig, empfiehlt seiner SPD, sich auch auf von der AfD tolerierte Minderheitsregierungen einzulassen. Albig hatte der «Neuen Osnabrücker Zeitung» unter anderem gesagt, «wahrscheinlich wäre es sogar einfacher, wenn wie in Dänemark Sozialdemokraten die Ersten wären, die auch mit den Rechtspopulisten bei bestimmten Themen zusammenarbeiten, die unsere Wähler heute in deren Arme treiben».
Doch was genau meint der SPD-Politiker, der sich 2017 nach der verlorenen Landtagswahl aus der aktiven Politik zurückzog und seit 2023 für den Tabakkonzern Philip Morris arbeitet. Und wie reagieren die SPD und andere Parteien?
Vorstoß in Zeiten schlechter Umfragewerte für SPD und CDU
Albigs Vorstoß fällt in eine Zeit schlechter Umfragewerte für CDU/CSU und SPD. Dagegen legt die AfD immer weiter zu und erreicht inzwischen auf Bundesebene Umfragewerte von bis zu 29 Prozent. Ihr Vorsprung vergrößert sich, die Koalitionsparteien fallen zurück, auch die Union. In mehreren ostdeutschen Bundesländern, in denen im Herbst gewählt wird, liegt die AfD Umfragen zufolge zum Teil weit vor den anderen Parteien. Koalitionsregierungen zu bilden wird wohl deutlich schwieriger.
Und was ist mit der Brandmauer gegen die AfD?
«Die deutsche Brandmauerdebatte verkennt, dass sich hinter der Mauer auch unsere alten Wählerinnen und Wähler befinden», sagte Albig der Deutschen Presse-Agentur. «Die dürfen wir nicht einmauern. Wir müssen ihnen endlich wieder Wege zurück über die Mauer bauen», findet Albig. Dafür müssen wir aber endlich diesen Menschen zuhören, was sie von uns wegtreibt.»
Albig zufolge dürfe man Minderheitenregierungen daher im Vorfeld nicht kategorisch ausschließen aus Sorge, dass die AfD einem Thema zustimmen könnte, sagte Albig der Deutschen Presse-Agentur. Natürlich seien Minderheitenregierungen «schwieriger im Handling als eine ordentliche Koalition». «Aber wir schließen keine ordentlichen Koalitionen mehr, wenn da vier Parteien zusammenkommen müssen. Das sind keine.»
Albig: Es geht um die Wählerinnen und Wähler der AfD
Es gehe ihm nicht zentral um die AfD, sondern um die Wählerinnen und Wähler der AfD. «Was führt dazu, dass Menschen, die früher Sozialdemokratie oder CDU gewählt haben, heute eins zu eins zur AfD gehen?», fragte Albig. «Wenn wir uns dieser Frage nicht endlich angemessen nähern und sagen, was sind eigentlich Inhalte, die "unsere" Wähler bei denen besser verortet sehen, dann sind wir in einer dogmatischen Falle gefangen.»
Man tue so, «als seien alle deren Wähler Ausgeburt der Hölle und irgendwie Böse und verkennen dabei, dass sie früher uns gewählt haben», sagte Albig. «Nur für diese Frage müssen wir uns den Themen annähern, die für unsere ehemaligen Wähler wichtig sind. Punkt.» Und das sei nicht nur ein Thema der Konservativen, sondern es sei auch ein Mitte-Links-Thema. «Mitte-Links-Wähler wählen AfD. Warum?»