Einigung mit dem Iran: Entspannung für Wirtschaft in Sicht
Autor: den dpa-Korrespondenten
, Montag, 15. Juni 2026
Der Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar war für die seit Jahren stagnierende deutsche Wirtschaft nur die jüngste Hiobsbotschaft. Könnte einem Kriegsende ein Aufschwung folgen?
Der Iran-Krieg machte die Hoffnungen auf einen zarten Aufschwung in diesem Jahr zunichte: Könnte nun infolge des Abkommens zwischen den USA und dem Iran eine Trendwende kommen? Viele dornige Themen müssen von den Konfliktparteien noch ausgehandelt werden, doch vorerst scheint ein mögliches Kriegsende in Sicht. Damit dürfte auch der Nachschub von Rohöl, Flüssiggas und Dünger aus dem Golf rasch wieder anlaufen, die Preise dürften mittelfristig fallen - was wiederum die Konjunktur stützen sollte.
Die Börsen in Asien feiern die Einigung heute bereits, der Ölpreis gab deutlich nach. US-Präsident Donald Trump zeigt sich optimistisch - und erklärte mit Blick auf die Blockade des Öltransports durch die Straße von Hormus: «Schiffe dieser Welt, startet eure Motoren! Lasst das Öl fließen!»
Die Krise infolge des Iran-Kriegs hatte Deutschland kalt erwischt: Außer höheren Preisen, die vielen Haushalten zu schaffen machen, machte sich in der Industrie neuerlicher Materialmangel bemerkbar. In der Folge halbierten Ökonomen ihre Konjunkturprognosen.
Wie dürfte sich ein Ende des Kriegs auf die Wirtschaft auswirken?
«Ein Kriegsende hätte positive Auswirkungen auf die Konjunktur», sagt der Ökonom Timo Wollmershäuser, Leiter der Konjunkturforschung am Münchner Ifo-Institut. «Zunächst würden die Weltmarktpreise für Rohöl und Erdgas sinken, wodurch die Inflationsraten unmittelbar sinken und die Kaufkraft der Verbraucher zurückkehren würde.» Sinken würden nach Einschätzung des Wissenschaftlers auch die Kapitalmarkt- und Kreditzinsen, da weitere Erhöhungen der Leitzinsen ausbleiben würden.
Doch wäre der Effekt voraussichtlich kein sofortiger. «Die Ausweitung des Angebots an Rohöl, Erdgas und damit verbundenen Vorprodukten aus der Region des Persischen Golfs auf das Vorkriegsniveau wird wohl noch etwas dauern, da einige Produktionsstätten offenbar beschädigt sind», sagt Wollmershäuser. «Daher werden die Energiepreise wohl nicht unmittelbar auf das Vorkriegsniveau sinken und die Lieferkettenprobleme könnten noch etwas andauern.»
Wie werden sich die Benzinpreise entwickeln?
Für die Bundesregierung zog vor allem der rasante Anstieg der Spritpreise politischen Ärger nach sich. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die staatliche Eingriffen eigentlich ablehnte, geriet unter Druck und stimmte schließlich Entlastungsmaßnahmen für Autofahrer zu, die etliche Ökonomen für wenig sinnvoll halten. Seit 1. April dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal am Tag erhöhen, am 1. Mai folgte der bis Ende Juni befristete Tankrabatt von knapp 17 Cent pro Liter.
«Wenn ein Ende des Nahostkriegs dazu führt, dass die Straße von Hormus wieder frei befahrbar ist und Öltransporte dort reibungslos laufen können, dürfte auch der Ölpreis schrittweise nachgeben», sagt ein Sprecher des ADAC in München. Bis sich jedoch wieder stabile Abläufe entlang der Lieferketten einstellten, werde einige Zeit vergehen. «Umgehende Senkungen der Kraftstoffpreise auf das Niveau vor dem Krieg sind daher nicht zu erwarten, zumal auch Infrastruktur beschädigt oder zerstört wurde, die nicht sofort wieder aufgebaut werden kann.»