Ein Patt und viele Probleme: Der steinige Weg zur Koalition
Autor: Nico Pointner, dpa
, Dienstag, 10. März 2026
Grüne und CDU müssen eigentlich Partner werden in Baden-Württemberg. Aber die Zeichen stehen auf Sturm. Die CDU gibt sich enttäuscht und wütend.
Dass Grüne und CDU in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren recht geräuschlos miteinander regierten, kann in diesen Tagen leicht in Vergessenheit geraten. Nach dem ultraknappen Ausgang der Landtagswahl ist die Stimmung zwischen den Parteien frostig wie lange nicht. Die CDU wirft den Grünen nach wie vor eine «Schmutzkampagne» im Wahlkampf vor. Wahlsieger Cem Özdemir (Grüne) sieht nicht ein, das Amt des Regierungschefs mit CDU-Chef Manuel Hagel zu teilen. Ein Mitglied des Landesvorstands spricht bereits von Neuwahlen als realistischer Option - und das, bevor Gespräche zur Regierungsbildung überhaupt begonnen haben.
Video sorgt für Zündstoff
Rückschau: Vor zwei Wochen hatte eine Grünen-Bundestagsabgeordnete ein altes Video aus dem Jahr 2018 gepostet, in dem der damals 29-jährige Hagel von einer Schülerin und ihren «rehbraunen Augen» schwärmt. Hagel räumte zwar ein, dass das «Mist» gewesen sei, doch das Video ging viral und schadete ihm im Wahlkampf. Die CDU wirft den Grünen eine orchestrierte Kampagne vor - Özdemir sagt hingegen, er habe von dem Post nichts gewusst.
Ton wird schärfer
Das will ihm bei den Christdemokraten derzeit keiner glauben. Der Wahlkampf ist vorbei, aber der Ton wird immer schärfer. Man habe versucht, Hagel persönlich zu desavouieren, schimpft etwa Agrarminister Peter Hauk vor der Vorstandssitzung in Stuttgart. Auch er spricht von einer Schmutzkampagne.
Die CDU gibt sich enttäuscht, angefasst, wütend. Die Grünen hätten das Vertrauen, das man in zehn Jahren aufgebaut habe, binnen weniger Tage verspielt, so ein führendes Parteimitglied. Das Video habe das linke Lager mobilisiert, habe etwa dazu geführt, dass SPD-Wähler am Ende für Grün gestimmt hätten, nur um Hagel zu verhindern. Es sei so viel zerschlagen worden, dass es nicht danach aussehe, als ob man Gespräche aufnehmen könnte, heißt es mitunter in der Partei.
«Die Gräben sind wirklich tief»
Man tue sich schwer, zur Tagesordnung überzugehen, ohne dass es eine Annäherung oder eine Entschuldigung gebe, sagt auch die stellvertretende Bundesgeneralsekretärin der CDU, Christina Stumpp - und selbst dann würde es schwierig werden. «Da sind die Gräben wirklich tief jetzt.» Mit Blick auf die Verhandlungen sagte sie, dass nun Sorgfalt vor Schnelligkeit gelte. Man wolle ja auch, dass eine Koalition fünf Jahren halte. Auch Hauk betonte mit Blick auf Gespräche, es gebe keine Eile. Treiben die Christdemokraten da einfach den Preis hoch für die anstehenden Verhandlungen?
Teilung der Amtszeit?
Bei der Wahl am Sonntag hatten die Grünen mit 30,2 Prozent knapp Platz eins vor der CDU mit 29,7 Prozent erreicht. Im neuen Landtag kommen aber beide Fraktionen auf jeweils 56 Mandate - eine seltene Pattsituation. Eine Fortführung der Koalition aus Grünen und CDU ist derzeit die einzig realistische Regierungsoption – aber unter welcher Führung?
Innerhalb der CDU wird am Tag nach der Wahl über ein ungewöhnliches Modell nachgedacht: eine Aufteilung der Amtszeit des Ministerpräsidenten. Hagel selbst schließt eine solche Rotation auf Nachfrage nicht aus. Bei gleicher Mandatszahl müsse «alles auf den Tisch», sagte er nach Sitzungen der CDU-Spitzengremien in Berlin. Die Pattsituation sei neu und einmalig. Christian Bäumler, Mitglied des Landesvorstands, sagt, die Rotationsidee könne zu einer Befriedung führen zwischen den Parteien.