Ein Jahr Trump: Wie US-Zölle die deutsche Wirtschaft treffen
Autor: Alexander Sturm, Khang Mischke und Frank Johannsen, dpa
, Dienstag, 20. Januar 2026
«America first» verspricht Donald Trump - und lässt kaum einen Stein auf dem anderen. Seine Zollpolitik hat schwere Folgen für Deutschland. Dem obersten US-Gericht kommt nun eine zentrale Rolle zu.
Ob aus Gründen der «nationalen Sicherheit» oder als Strafmaßnahme: Kaum ein Druckmittel war und ist für US-Präsident Donald Trump so wichtig wie Zölle, die er wiederholt als sein «Lieblingswort» bezeichnete. Gegen die EU, China, Brasilien oder Kanada: Im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit spielten Zölle eine wesentliche Rolle.
Und das ganz aktuell auch im Grönland-Konflikt: Trump kündigte erst am Samstag Zölle gegen Deutschland und sieben weitere europäische Länder an. Die gestaffelten Zölle von 10 Prozent ab 1. Februar und 25 Prozent ab 1. Juni sollen so lange gelten, bis eine Einigung über den «vollständigen und umfassenden Kauf Grönlands» erzielt sei. Trump besteht darauf, dass das ressourcenreiche Grönland wegen der nationalen Sicherheit in den Besitz der USA übergehen müsse.
Ein Jahr nach Trumps Amtsantritt wird klar, dass die Negativfolgen für die deutsche Wirtschaft von Dauer sind. Zwar hatten sich die EU und die USA im Sommer 2025 auf ein Abkommen geeinigt, das für die meisten europäischen Produkte einen US-Zoll von 15 Prozent vorsieht. Doch mit Trumps neuen Zolldrohungen droht der Handelskonflikt abermals zu eskalieren.
Das Ifo-Institut rechnet wegen der US-Zölle mit jahrelangen Belastungen für die deutsche Wirtschaft. Eine Bilanz, wie sie sich bereits heute auswirken.
Dauer-Schock für die Konjunktur
«Die US-Zölle sind ein negativer Schock für die deutsche Wirtschaft und treffen sie gleich dreifach», sagte Lisandra Flach, Leiterin des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft. «Erstens, weil Deutschland weniger in die USA exportiert und zweitens, weil die Zölle Chinas Wirtschaft treffen und damit die Nachfrage nach deutschen Waren sinkt. Drittens, weil China wegen Trumps Zöllen nach neuen Märkten sucht und Waren verstärkt nach Europa umgelenkt werden, was Deutschland Konkurrenz macht.»
Schwere Last für Exporteure
Die hohen US-Zölle treffen die deutschen Exporteure auf ihrem wichtigsten Exportmarkt. Das Geschäft mit den Vereinigten Staaten, in die 2024 deutsche Waren im Wert von 161 Milliarden Euro gingen, ist im vergangenen Jahr eingebrochen, im November lag es laut Statistischem Bundesamt sogar um fast ein Viertel unter Vorjahresniveau. Der Rückgang im US-Geschäft lastet schwer auf dem gesamten deutschen Export, der 2025 das dritte Jahr in Folge schrumpfte. Von ihm hängt fast jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland ab.
Die Zölle unter Trump dämpften dem Ifo zufolge das Wachstum der deutschen Wirtschaft 2025 um 0,3 Prozentpunkte, dieses Jahr sollen es 0,6 Prozentpunkte sein. Das klingt wenig, entspricht aber etwa dem Effekt, den das Ifo aus den riesigen Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung sowie weiterer Entlastung für die Wirtschaft erwartet. Als wäre das nicht genug, hat der Dollar seit Trumps Amtsantritt kräftig an Wert verloren, was deutsche Waren auf den Weltmärkten verteuert.