Dürre macht Sprit teurer - lokale Engpässe möglich
Autor: Christof Rührmair, Helge Toben und Alexander Sturm, dpa
, Dienstag, 11. August 2026
Vor allem im Westen Deutschlands sind die Spritpreise derzeit tendenziell höher. Und wenn die Pegelstände am Rhein weiter sinken, werden sogar lokale Versorgungsengpässe wahrscheinlicher.
Die weiter fallenden Pegelstände am Rhein lassen die Spritpreise steigen. «Das derzeitige Niedrigwasser am Rhein wirkt preistreibend», sagt der ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer. Zudem werden dadurch laut dem Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) regionale Versorgungsengpässe wahrscheinlicher. Hintergrund ist, dass der Rhein auch für Öl, Benzin und Diesel als Transportweg genutzt wird.
Nach Angaben des ADAC-Experten steigen durch das aktuelle Niedrigwasser «die Logistikkosten für den Transport von Kraftstoffen und einzelnen Vorprodukten teilweise deutlich an.» Dies sei aber nur einer von mehreren Einflussfaktoren auf die aktuellen Spritpreise. Zudem werde der deutsche Markt nicht ausschließlich über den Rhein, sondern über ein «Netzwerk aus Seehäfen, Raffinerien, Pipelines sowie den Schienen- und Straßenverkehr» versorgt, sagt Laberer. «Daher dürfte das Niedrigwasser derzeit vor allem regional zu höheren Kraftstoffpreisen beitragen.»
Vorübergehend regional beschränkte Engpässe möglich
Grund zur Entwarnung gibt es aber nicht: Der en2x erklärte auf Anfrage: «Nach derzeitigen Prognosen sinken die Pegelstände in nächster Zeit jedoch weiter, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit von vorübergehenden und regional beschränkten Versorgungsengpässen erhöht. Das gilt insbesondere, wenn es zusätzlich zu Verspätungen auf der Schiene, zu technischen Störungen oder anderen Einschränkungen in der Transportlogistik kommen sollte.» Zuvor hatte die «Westdeutschen Allgemeine Zeitung (WAZ)» berichtet.
In Köln wurde am Dienstag beim Rheinpegel ein historischer Tiefstwert gemessen, wie aus Daten des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein hervorgeht. Nach der Prognose werden die Pegelstände zudem in Köln, Düsseldorf, Emmerich und Duisburg-Ruhrort bis Freitagabend noch deutlich gegenüber den derzeitigen Werten sinken.
«Man kann es kaum glauben, was man da sieht», sagt Moritz Axt, Sprecher des Amtes. In der kommenden Woche sei ein leichter Anstieg der Pegelstände zu erwarten. «Das stellt noch keine Entspannung dar.» Die Wasserstände des Rheins in NRW blieben auf sehr niedrigem Niveau.
Herausforderung für Logistik
Grundsätzlich sei der Umgang mit Niedrigwasser, gerade am Rhein, für die Unternehmen im Verband en2x nicht neu. «Dennoch stehen wir vor einer großen Herausforderung. Binnenschiffe müssen mit geringerem Frachtvolumen beladen werden - teils zu einem Viertel der Normalkapazität, oder sie mussten den Betrieb vorübergehend ganz einstellen», heißt es vom Verband.
Der Transport werde - wo möglich - auf Züge oder Lastwagen verlagert. Allerdings seien auch deren Kapazitäten begrenzt. «Dadurch verzeichnen wir steigende Transportkosten. Dank laufender Anpassung der Logistik läuft der Tankstellenbetrieb bisher auf normalem Niveau - auch im gesamten Rheingebiet.»