Drei Lehren aus den Kommunalwahlen in Niedersachsen
Autor: Christopher Weckwerth, dpa
, Montag, 14. Sept. 2026
Mehr als sechs Millionen Menschen in Niedersachsen hatten die Wahl. Wer gewonnen und verloren hat – und welche Signale es nach Berlin gibt.
Die CDU bleibt in Niedersachsens Kommunen die stärkste Kraft – vor der im Land regierenden SPD und einer stark gewachsenen AfD. Rund 6,3 Millionen Menschen im Nordwesten waren bei den Kommunalwahlen aufgerufen, ihre örtlichen Vertretungen sowie Bürgermeister und Landräte zu wählen.
Die CDU kommt laut vorläufigem Ergebnis auf Kreisebene auf 27,2 Prozent - das sind 4,5 Prozentpunkte weniger als 2021. Die SPD von Ministerpräsident Olaf Lies erhielt 24,6 Prozent, sie sackte um 5,4 Prozentpunkte ab. Verluste müssen auch die an der Landesregierung beteiligten Grünen hinnehmen - nach der Auszählung kommen sie auf 14,1 Prozent und verlieren 1,8 Prozentpunkte.
Klare Zugewinne gibt es dagegen für die AfD, sie kommt laut vorläufigem Ergebnis auf 15,9 Prozent und damit 11,3 Prozentpunkte mehr als 2021. Auch die Linke gewinnt hinzu, sie verbessert sich um 3,2 Prozentpunkte auf 6,0 Prozent. Die FDP verliert 2,8 Prozentpunkte und sinkt auf 3,7 Prozent. Berücksichtigt wurden für das vorläufige Ergebnis die Wahlen in den kreisfreien Städten und in den Landkreisen sowie in der Region Hannover.
Vor dem Hintergrund des AfD-Wahlsiegs in Sachsen-Anhalt und der Krise beim für Niedersachsen so wichtigen Autokonzern Volkswagen stehen die Wahlen auch bundesweit im Blickpunkt – als Gradmesser für die Stimmung in einem westdeutschen Bundesland, bevor am Sonntag bereits die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und die Abgeordnetenhauswahl in Berlin anstehen.
Drei Erkenntnisse aus den Wahlen in Niedersachsen:
Der Druck auf die Bundesregierung bleibt – Atempause für die CDU
Die CDU um Niedersachsens Landeschef Sebastian Lechner kann trotz Verlusten noch einiges Positives für sich verbuchen: eine absolute Mehrheit bei der Oberbürgermeisterwahl in der VW-Stadt Wolfsburg etwa mit Dennis Weilmann oder den Einzug in die Stichwahl für den Regionspräsidenten der Region Hannover mit Oliver Junk. Auch die seit 1981 währende Serie als stärkste Kraft bei den Kreiswahlen im Land wurde fortgesetzt. Die CDU kann durchatmen.
Lechner machte allerdings unmissverständlich klar, dass das Ergebnis «trotz dieses Bundestrends» gelungen sei. Wenn man im Kommunalwahlkampf an jedem Stand auf die Unzufriedenheit mit der Berliner Politik angesprochen werde, dann sei klar, «dass wir da zu wenig geliefert haben», sagte Lechner und forderte: «Ich glaube, es braucht eine politische Änderung in Berlin. Wir müssen die Menschen entlasten. Die Energiepreise sind zu hoch, die Wohnungspreise zu hoch. Man hat zu wenig Netto vom Brutto.» Dazu müsse die Bundesregierung bis Jahresende mutige Entscheidungen treffen.