Spritpreisrekorde: Jetzt ist auch Diesel teuer wie nie zuvor
Autor: Christof Rührmair und Alexander Sturm, dpa
, Donnerstag, 17. Sept. 2026
Im Vergleich zum Vorkriegsniveau ist der Kraftstoff mehr als 70 Cent teurer. Der Ruf nach Staatshilfen wird immer lauter. Doch Wirtschaftswissenschaftler sind vielen Maßnahmen gegenüber skeptisch.
Nach Benzin ist jetzt auch Diesel in Deutschland so teuer wie nie zuvor. Am Mittwoch kostete ein Liter im bundesweiten Tagesschnitt 2,453 Euro und übertraf damit den bisherigen Rekord aus dem April um 0,6 Cent, wie aus Zahlen des ADAC hervorgeht. Benzin ist bereits seit Tagen auf Rekordniveau. Am Mittwoch erreichte es sein fünftes Hoch in Folge bei 2,314 Euro pro Liter.
Allein im Vergleich zum Dienstag ist Diesel damit um 3,1 Cent teurer geworden. E10 verteuerte sich um 1,4 Cent. Die Spritpreise sind seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar außergewöhnlich hoch. Jüngst spitzte sich die Lage mit neuen Eskalationen am Persischen Golf und Sorgen um die Ölversorgung noch weiter zu. Insgesamt ist Diesel derzeit knapp 71 Cent teurer als am letzten Tag vor Kriegsausbruch, E10 um knapp 54 Cent. Inflationsbereinigt waren die Kraftstoffe in der Vergangenheit allerdings bereits teurer.
Debatte um Entlastung schwillt an
Wegen der Preisrekorde ist in der Politik eine neue Debatte um Entlastungen entbrannt. Sowohl aus der Union als auch der SPD kommen Vorschläge - strittig ist allerdings, welche Maßnahmen umgesetzt werden sollen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat angesichts der hohen Spritpreise Entlastungen angekündigt. Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) forderte eine schnelle Entscheidung. Das Ziel sei klar: «Die Spritpreise müssen runter und gerade die Pendlerinnen und Pendler müssen entlastet werden»
Die Bandbreite der Vorschläge ist groß: Unter anderem eine Senkung der Mehrwertsteuer oder des CO2-Aufschlags, ein Preisdeckel, Direktauszahlungen mit und ohne Anpassung an das Einkommen oder Übergewinnsteuer stehen im Raum.
Keine einfache Lösung
Eine einfache Lösung gibt es nach Ansicht von Wirtschaftswissenschaftlern aber nicht, wie unter anderem bei einer Pressekonferenz der von den Wissenschaftsakademien angestoßenen Initiative ESYS am Donnerstag klar wurde.
Laut Martin Wietschel vom Fraunhofer ISI in Karlsruhe müssten Lösungen im Idealfall nicht die Preise senken, da sonst deren dämpfender Effekt auf den Verbrauch verloren gehe. Die Unterstützung sollte stattdessen gezielt an vulnerable Gruppen ausgezahlt werden, da nicht jeder die Hilfe benötige. Zudem sollten die Maßnahmen nach Möglichkeit auf eine langfristige Veränderung der Nachfrage ausgelegt sein.
Vor diesem Hintergrund käme von den aktuell diskutierten Optionen am ehesten eine Direktauszahlung infrage - doch dafür fehlt noch immer der Mechanismus, was neben Wietschel auch Karin Pittel vom Ifo und Andreas Löschel von der Ruhr-Universität Bochum kritisieren. Wenn er in drei Monaten umgesetzt werden könne, sei es möglicherweise das beste, so lange zu warten und dann erst etwas auszuzahlen, sagt Pittel. Und Löschel betont, dass es aus ökonomischer Sicht sinnvoll sei, ein Stück weit die Füße stillzuhalten. Das Problem sei dabei eher politischer Natur.