Die Straße von Hormus – bedrohte Engstelle im Energiehandel
Autor: Burkhard Fraune, dpa
, Montag, 02. März 2026
Zwischen Iran und Oman verläuft eine Lebensader der Weltwirtschaft. Wird der Seeweg blockiert, ist das weit über die Region hinaus spürbar – auch für Wirtschaft und Verbraucher in Deutschland.
Am Wochenende haben Israel und die USA den Iran angegriffen. Der Iran reagierte nicht nur mit Gegenangriffen. Er schränkte auch den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ein, eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Energiehandels. Folgen des Kriegs im Nahen Osten könnten damit weltweit spürbar werden.
Wo liegt die Straße von Hormus?
Der Seeweg ist eine Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman. Sie ist die einzige Verbindung des Persischen Golfs mit den Weltmeeren. An der engsten Stelle ist die Schifffahrtsstraße rund 50 Kilometer breit. Die schiffbaren Passagen in beide Richtungen messen rund drei Kilometer. Am Golf von Persien liegen bedeutende Ölförderländer, neben dem Iran Saudi-Arabien, Irak, Kuwait, Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Wer kontrolliert den Seeweg?
Es gibt keine zentrale Kontrollbehörde wie etwa am Suezkanal. Die Tanker fahren durch Hoheitsgewässer des Iran und des Oman. Ein UN-Abkommen, das Handelsschiffen freie Durchfahrt garantiert, hat der Iran zwar unterzeichnet, aber nicht ratifiziert. Nach Beginn der Angriffe hat der Iran den Seewag zwar nicht physisch blockiert. In Funksprüchen iranischer Stellen werden Schiffe nach Reeder-Angaben aber aufgefordert, die Passage nicht zu nutzen. Demnach wird mit dem Entern der Schiffe gedroht.
Nach Einschätzung des Verbands deutscher Reeder sind in den Gewässern des Persischen Golfs mindestens 25 Schiffe betroffen, darunter auch zwei Kreuzfahrtschiffe mit zusammen etwa 7.000 Passagieren an Bord, die die Region aus Sicherheitsgründen derzeit nicht verlassen könnten.
Warum ist die Straße so entscheidend für den Welthandel?
Die Meerenge gilt als eine der wichtigsten Routen der Seefahrt weltweit. «Jede Unterbrechung der Ströme durch die Meerenge hätte erhebliche Auswirkungen auf die Weltölmärkte», heißt es in einem Datenblatt der Internationalen Energie-Agentur (IEA). Demnach wurde 2023 nahezu 30 Prozent des weltweiten verschifften Öls über die Straße von Hormus transportiert – etwa 20 Millionen Barrel Rohöl (je 159 Liter) pro Tag, rund ein Fünftel des weltweiten Bedarfs. Der größte Teil davon geht in Richtung China, Indien und in andere asiatische Länder. Auch etwa 20 Prozent des weltweiten Flüssiggashandels läuft durch die Meerenge.
«Obwohl deutsche Ölimporte nicht direkt über die Straße von Hormus kommen, wäre eine Blockade über den Weltmarktmechanismus spürbar», betonte Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, schon im vergangenen Jahr. Vor allem die chemische Industrie, der Transportsektor und die Verbraucher würde das treffen. Neue Verwundbarkeit gebe es beim Flüssiggas: Deutschland deckt seit dem Verzicht auf russisches Gas einen kleinen Teil seines Bedarfs mit Flüssiggas aus Katar.
Gibt es Alternativen?
Es gibt Pipelines, etwa durch Saudi-Arabien zum Roten Meer und eine der Vereinigten Arabischen Emirate zum Golf von Oman. Pipelines könnten laut IEA im Fall einer Blockade etwa ein Viertel der durchschnittlichen Ölmenge aufnehmen, die sonst in Tankern den Golf verlassen würde. Anders als andere Förderländer hat der Iran laut IEA keine solche Alternative zur Straße von Hormus.