Die Staatsverschuldung steigt rund um den Globus
Autor: Carsten Hoefer, dpa
, Montag, 21. Sept. 2026
Ein Weltschuldencrash in naher Zukunft ist unwahrscheinlich, doch an den Finanzmärkten wächst die Sorge. Die Bürger bekommen die Folgen auch ohne ganz große Krise zu spüren.
Die Staatsverschuldung der führenden Wirtschaftsnationen wird nach einer Prognose der Industrieländerorganisation OECD in diesem Jahr einmal mehr einen Rekord erreichen. Damit wachsen auch die Sorgen in der Finanzwelt. Besorgnis löst vor allem der rasante Anstieg der US-Staatsverschuldung aus, die im August die Marke von 40 Billionen Dollar (rund 34,87 Billionen Euro) überschritt. Doch sind die USA keineswegs allein.
In den USA Tag für Tag sechs Milliarden Euro neue Schulden
Seit 2007 hat sich die Staatsverschuldung der 38 OECD-Staaten verdreifacht: von 22,5 Billionen Dollar im Jahr 2007 auf 61 Billionen Dollar im Jahr 2025. Eine maßgebliche Ursache liegt in Washington: Die Verbindlichkeiten der USA sind in diesem Zeitraum von 9 Billionen auf 40 Billionen Dollar gestiegen. Im Schnitt mehrt sich die amerikanische Schuldenlast Tag für Tag um über sechs Milliarden Dollar, wie aus den Daten des US-Finanzministeriums hervorgeht.
«Die Schuldendynamik in den USA ist besorgniserregend», sagt Björn Griesbach, Chef der Kapitalmarkt- und makroökonomischen Forschung bei der Allianz Investment Management, einer Tochter des Münchner Dax-Konzerns. Die Allianz zählt mit einem verwalteten Vermögen von über zwei Billionen Euro zu den großen Kapitalanlegern auf dem Planeten.
Das US-Haushaltsdefizit dürfte in diesem Jahr bei rund 5,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen, sagt Griesbach, nahe historischen Höchstständen außerhalb einer Rezession. «Käme es zu einem konjunkturellen Einbruch, würde sich das Defizit nochmals deutlich ausweiten, ein Risiko, das ähnlich auch für Frankreich, Italien, Deutschland und Japan gilt.»
Die absoluten Zahlen lassen die Lage allerdings dramatischer aussehen, als sie ist. Denn sie berücksichtigen weder Inflation noch Wirtschaftswachstum. Üblicherweise setzen Ökonomen daher die Staatsschulden in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP).
In dieser Hinsicht sieht der Anstieg der US-Verschuldung etwas weniger furchteinflößend aus. Seit 2016 ist auch das US-BIP von 19 auf 32 Billionen Dollar gewachsen, wie Griesbach sagt. «Das hat geholfen, dass die Verschuldungsquote lediglich von 107 auf 124 Prozent gestiegen ist».
«Ein globales Phänomen»
In Relation zum BIP steht seit vielen Jahren Japan mit einer Schuldenquote von über 200 Prozent weltweit an der Spitze, wie beim Internationalen Währungsfonds (IWF) nachzulesen. «Die Entwicklung ist in der Tat ein globales Phänomen», sagt Allianz-Ökonomin Katharina Utermöhl. «Neben den USA sind insbesondere Japan, Frankreich, aber auch Deutschland zu nennen.» Der Verschuldungsgrad der Bundesrepublik ist mit knapp 65 Prozent im globalen Vergleich nach wie vor niedrig, aber die Neuverschuldung hoch.