Die Linke und die Fabel von den drei Schweinchen
Autor: Verena Schmitt-Roschmann, dpa
, Freitag, 19. Juni 2026
Die Linkspartei steht in den Umfragen bundesweit gut da und hat Zehntausende neue Mitglieder. Wollen alle in dieselbe Richtung? Gut 500 Delegierte beraten bis Sonntag in Potsdam.
Nach ihrem unerwarteten Comeback 2025 will die Linke bei einem Bundesparteitag in Potsdam die Weichen für einen dauerhaften Erfolg stellen. Zentrales Thema ist der Protest gegen die geplanten Sozialreformen der Bundesregierung. Streit dürfte es um die Linie zum Nahost-Konflikt geben und um Äußerungen aus den Reihen der Linksjugend Solid, die die DDR und den Stalinismus bejubelt haben sollen - zum Entsetzen der Parteispitze.
Die Führung wird dann am Samstag neu gewählt. Co-Chef Jan van Aken gibt sein Amt aus gesundheitlichen Gründen ab. Der Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano will mit Co-Chefin Ines Schwerdtner die neue Doppelspitze bilden und vor allem bei Arbeitern Stimmung für die Linke und gegen die AfD machen.
Die Linke hatte nach der Abspaltung eines Flügels um Sahra Wagenknecht und nach einer Serie von Wahlschlappen Schwerdtner und van Aken im Oktober 2024 als Vorsitzende gewählt. Damals steckte die Partei bei zwei bis drei Prozent im Umfragetief. Nach einem intensiven Haustürwahlkampf mit Themen wie einem Mietendeckel zog sie im Februar 2025 aber mit 8,8 Prozent in den Bundestag ein. Im neuen ZDF-«Politbarometer» liegt sie bei 11 Prozent.
Ein «Steinhaus bauen»
Man solle sich nicht auf einen «Hype» verlassen, heißt es im Leitantrag. Schwerdtner nennt gern die bekannte Fabel von den drei Schweinchen: Diese bauen sich als Schutz vor dem Wolf jedes ein Haus - eines aus Stroh, eines aus Holz und das dritte aus Stein. «Ein Haus aus Stroh lässt sich schnell im Sturm der Gezeiten umblasen», heißt es im Leitantrag. Momentan habe die Linke ein solides Fundament aus Holz. Aber: «Wir müssen ein stabiles Steinhaus bauen.»
Pantisano will dafür zurück zu den Wurzeln: zur Arbeiterschaft. «Gemeinsam mit Ines will ich die Partei, neben dem Parlament und der Bewegung, in den Betrieben verankern», sagte der 46-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. «Die nächsten Wochen gilt es, den Widerstand unter den Arbeitern und Arbeiterinnen zu organisieren gegen eine Bundesregierung, die ihre Leistung mit Füßen tritt.»
«AfD von den Schalthebeln der Macht fernhalten»
Auch der Leitantrag bezieht hart Stellung gegen die schwarz-rote Koalition, gegen die «Zeitenwende und Angriffe auf den Sozialstaat». «Der Umbau hin zu einer Rüstungswirtschaft ist ein Irrweg», heißt es. «Konservative und Wirtschaftsliberale nutzen ihre historische Chance, um den Sozialstaat kurz und klein zu schlagen.»
Vor den Landtagswahlen in Ostdeutschland im September präsentiert sich die Linke als Option für jene, die «sich aus Wut das erste Mal für die AfD entscheiden». Gegen die AfD grenzt sie sich scharf ab und fordert ein Verbot. Bündnisse mit anderen hält sie sich offen: Man setze «alles daran, in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern die AfD von einer Regierungsbeteiligung oder sogar Alleinregierung abzuhalten und von den Schalthebeln der Macht fernzuhalten», heißt es im Antrag. Das schließt auch eine Zusammenarbeit mit der CDU nicht aus, die ansonsten heftig kritisiert wird.