Die Durchgreiferin: Bahnchefin Palla seit 100 Tagen im Amt
Autor: Matthias Arnold, dpa
, Donnerstag, 08. Januar 2026
Seit Oktober leitet Evelyn Palla den wohl am stärksten kritisierten Konzern des Landes: die Deutsche Bahn. Was ist ihr in ihren ersten 100 Tagen im Amt schon gelungen, wo muss sie nachlegen?
Den Konzern umkrempeln, ihn vom Kopf auf die Füße stellen, den Fahrgast wieder ins Zentrum rücken: Die gar nicht mehr so neue Bahnchefin Evelyn Palla hat die eigene Messlatte gleich zu Beginn ihrer Amtszeit hoch gehängt. Schließlich ist ein Wandel bei der Deutschen Bahn dringend notwendig.
Der bundeseigene Konzern steckt seit Jahren in einer schweren Krise. Hohe Unpünktlichkeit, eine marode Infrastruktur, Milliardenschulden und tiefrote Zahlen gehören zu den Symptomen. Palla kennt die Probleme. Unter ihrem Vorgänger Richard Lutz verantwortete die gebürtige Südtirolerin im Konzernvorstand gut drei Jahre lang das Regionalverkehrsressort.
Dann berief Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sie an die Konzernspitze. Heute ist sie seit 100 Tagen in diesem Amt. Was konnte sie bisher erreichen?
Noch wenig Verbesserungen für Fahrgäste
Das Wichtigste vorweg: Für Fahrgäste hat sich seit Pallas Amtsantritt im Oktober wenig verbessert. Das letzte Quartal 2025 war im Fernverkehr sogar das unpünktlichste des ganzen Jahres. Die Situation besserte sich zwar etwas im Dezember. Das lag aber vor allem daran, dass die Bahn wie jedes Jahr das Baugeschehen auf dem Schienennetz rund um die Feiertage stark zurückgefahren und zusätzliche Züge eingesetzt hat.
Mit Blick auf die strukturellen Probleme des überalterten und überlasteten Netzes, die die Hauptursache für die vielen Verzögerungen sind, hat Palla kurzfristige Erwartungen bereits gedämpft. «Wir können die Schiene nicht von heute auf morgen besser machen», sagte sie im Dezember. Es gehe zunächst darum, die Pünktlichkeit zu stabilisieren und die Talsohle zu erreichen.
Für schnellere Verbesserungen setzt sie auf Sofortprogramme für mehr Sauberkeit und Sicherheit in den Zügen und an den Bahnhöfen sowie für bessere Kundeninformationen. Details sollen folgen.
Die neue Bahnstruktur
An anderer Stelle strebt die Konzernchefin hingegen einen Ruf als Durchgreiferin an. Im Dezember stellte sie ein Konzept zur grundsätzlichen Neuaufstellung der Bahn vor: ein Kahlschlag vor allem in der Zentrale und im oberen Management. Von etwa 3.500 Stellen in der sogenannten Konzernleitung sollen rund 30 Prozent abgebaut werden. Allein auf der Ebene unterhalb des Konzernvorstands werden rund die Hälfte von derzeit 43 Führungsposten gestrichen.