"Deutschlands erster Online-Schwimmkurs": Schwimmen lernen mit Salatschüssel und Badewanne
Autor: Andreas Hofbauer
Franken, Donnerstag, 23. April 2020
Die Aqua-Pädagogin Simone Schridde bietet seit rund einem halben Jahr den ersten Online-Schwimmunterricht an. Mit zahlreichen Videos und Übungen soll so jeder einen professionellen Unterricht bekommen. Inklusive Übungen für die heimische Salatschüssel und Badewanne.
Etwa ein halbes Jahr ist vergangen, seit der „Erste Online-Schwimmkurs Deutschlandweit“ gestartet ist. Zumindest laut den Aussagen der Initiatorin und Aqua-Pädagogin Simone Schridde (48). Mit den in ihrem Kurs enthaltenen Videos, Betreuungsmöglichkeiten und Übungen sollen Eltern ihren mindestens fünfjährigen Kindern selbst das Schwimmen beibringen können. Unkompliziert und an das individuelle Lerntempo anpassbar.
Simone Schridde selbst hat das Online-Angebot erdacht und konzipiert. Sie habe sich schon vor der Umsetzung dieses Angebotes einem Problem ausgesetzt gesehen. Für ihren Schwimmkurs musste sie laut eigenen Aussagen interessierte Eltern, die ihren Kindern das Schwimmen von Schridde beibringen lassen wollten, wiederholt vertrösten. Und das über mehrere Monate hinweg. Das habe sie gewurmt, wie sie gegenüber dem WDR zugab. In dieser Zeit sei in ihr auch die Überlegung gereift, wie man den Schwimmunterricht dezentral und noch mehr Menschen zugänglich machen könnte. So schließlich, kam sie auf die Idee eines Online-Schwimmkurses. „Dann habe ich mich erst mal in einen Online-Kurs begeben um zu lernen wie man einen Online-Kurs bereitstellt“, erzählt sie.
Schwimm-Angebote notwendig: Erschreckende Zahlen der DLRG
Denn die Notwendigkeit nach Schwimmunterricht herrscht nicht nur bei Schridde und ihren Schülern. Aus einer repräsentativen Umfrage der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) aus dem Januar 2020 geht hervor: 60 Prozent der Grundschüler und 50 Prozent der Eltern bezeichnen sich selbst als „nicht sichere Schwimmer“. Auch aus diesem Grund ist Simone Schridde überzeugt, dass ihr Angebot eine Lücke schließen kann. „Unser Ziel ist es, so vielen Kindern wie möglich sicher und kompetent das Schwimmen näherzubringen - ohne Wartelisten, lange Anfahrtswege oder Terminschwierigkeiten", versichert sie.
Um ihr Angebot dabei so weit wie möglich zu optimieren, habe sie rund ein Jahr lang daran getüftelt. Das Ergebnis: Zahlreiche Übungen und Hilfestellungen verteilt auf fünf Module. Quasi Schwimmunterricht für Zuhause. Das stelle insbesondere bei den ersten Übungen einen entscheidenden Vorteil dar: „Unsere anfänglichen Atemtechnik-Übungen sind durchaus Salatschüssel- und Badewannen-kompatibel“, sagt Simone Schridde. Damit könne das Kind den Kontakt mit dem Wasser bereits ohne Schwimmbad-Besuch üben.
Sebastian Schmitt (30), stellvertretender technischer Leiter der Kreiswasserwacht Bamberg hält von solchen Angeboten relativ wenig. „Salatschüssel- oder Badewannen-kompatible Übungen. Davon halte ich nichts. Schwimmen lernt man am besten mit einem dafür ausgebildeten Lehrer in einem Schwimmbad“, meint er. Eine weitere Problematik bei der Fernbetreuung via Social-Media sieht der Ausbildungsleiter der DLRG Bonn, Thomas Stockhorst. „Es bleibt abzuwarten, ob die Kinder die Aufgaben von den Eltern genauso gut annehmen, wie sie es von einem Schwimmlehrer tun würden.“
Online lernen so effektiv wie offline lernen?
Aus ihren bisherigen Erfahrungen leitet die Initiatorin des E-Learning Angebots der Schwimmschule Euskirchen ab, dass der virtuelle dem haptischen Unterricht in nichts nach stünde. „Das Lernen via Video ist genauso erfolgreich wie das in einem normalen Schwimmkurs. Der Erfolg der Online-Methode steht der herkömmlichen in nichts nach“, ist sie überzeugt. Das könne man bereits aus der ersten Lerneinheit (Modul 1), welches sie frei für jeden zugänglich gemacht habe, ableiten. „Für manche Übungen braucht man kein Schwimmbad. Man kann auf dem Sofa die richtige Bewegung der Beine üben. Wie man das richtig umsetzt, das wird alles in aufwändigen Videos gezeigt.“ Außerdem sei auch eine erste Wassergewöhnung wichtig. Das wiederum würden auch herkömmliche Schwimmkurse so praktizieren, indem sie Übungen für Zuhause anbieten. „Auch Dinge wie das im Wasser liegen und schweben sind essenziell für den späteren Schwimmerfolg“, meint die Aqua-Pädagogin. Außerdem ist ihr wichtig, dass Eltern ihr Kind beim Lernen ständig motivieren. Auch das spricht sie wiederholt in ihren Videos an.
Video:
Sebastian Schmitt räumt ebenfalls ein, dass Online-Kurse für eine erste Gewöhnung an das Wasser durchaus sinnvoll sein könnten. Thomas Stockhorst formuliert seine Einschätzung zu dem Online-Schwimmkurs wie folgt: „Alles was Eltern hilft den Kindern das Schwimmen beizubringen, ist begrüßenswert.“