Wie es um den Klimaschutz in Deutschland steht
Autor: Andreas Hoenig, dpa
, Samstag, 14. März 2026
Wirtschaftskrise, internationale Krisen - der Klimaschutz scheint von der Priorität her nach hinten zu rutschen. Die Klimabilanz zeigt: Deutschland hat noch viel zu tun. Ende März wird es spannend.
Deutschland kommt beim Klimaschutz kaum voran. Im vergangenen Jahr stagnierte der Rückgang klimaschädlicher Emissionen, obwohl die Industrie aufgrund der schwachen Konjunktur weniger Treibhausgase ausstieß. Die größten Sorgenkinder bleiben der Verkehrs- und der Gebäudesektor. Das Klimaziel für 2025 wurde knapp erreicht. Um Ziele bis 2030 zu erreichen, muss die Bundesregierung aber noch eine Lücke schließen. «Wir brauchen einen Push», sagte Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamts (UBA).
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sagte, die Fortschritte seien insgesamt zu klein. Mit Spannung wird nun ein Klimaschutzprogramm der Bundesregierung erwartet, das Schneider am 25. März vorlegen will.
Umweltverbände forderten wirksame Maßnahmen. Der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak sagte: «Deutschland verliert beim Klimaschutz an Tempo - und die schwarz-rote Bundesregierung verlängert munter unsere Abhängigkeit von fossilen Energien.»
Emissionen gehen nur ganz leicht zurück
Im vergangenen Jahr sank der Ausstoß an Treibhausgasen nach den UBA-Daten gegenüber 2024 um 0,1 Prozent. Die gesamten Emissionen lagen bei 648,9 Millionen Tonnen sogenannter CO2-Äquivalente. Damit wurde die nach dem Klimaschutzgesetz zulässige Gesamtmenge um rund 12,8 Millionen Tonnen unterschritten. Seit 1990 habe Deutschland damit seine Treibhausgasemissionen um 48 Prozent reduziert.
In den einzelnen Sektoren ergibt sich ein gemischtes Bild.
- In der Industrie sanken die Emissionen 2025 um 3,8 Prozent auf rund 144 Millionen Tonnen. Das hat aber vor allem mit der schwachen Konjunktur und Produktionsrückgängen in energieintensiven Branchen zu tun. Messner sagte, das sei nicht das, was man wolle - es gehe darum, Klimaschutz mit wirtschaftlicher Stärke zu verbinden. Die Frage ist, wie sich die Klima-Daten bei mehr Wirtschaftswachstum entwickeln.
- Im Energiesektor sanken die Emissionen nur leicht um 0,3 Prozent auf rund 189,1 Millionen Tonnen. Messner nannte den Energiesektor den «Motor» für mehr Klimaschutz - mit dem Ausbau erneuerbarer Energien aus Wind und Sonne und dem schrittweisen Ausstieg aus der Kohle. 2025 sei aber wegen eines windarmen ersten Halbjahres weniger Windstrom produziert worden als im Vorjahr.
- Eines der größten Sorgenkinder bleibt der Verkehrssektor. Die Emissionen stiegen um 1,5 Prozent auf rund 146 Millionen Tonnen. Zwar wurden mehr Elektroautos neu zugelassen. Der weitaus größte Anteil der Autos entfällt aber nach wie vor auf Benziner und Diesel. Außerdem nahm das Verkehrsaufkommen zu.
- Wie im Verkehrssektor wurden auch im Gebäudesektor im vergangenen Jahr die Klimaziele verfehlt. Im Gebäudesektor stiegen die Emissionen um 3,4 Prozent auf 103,4 Millionen Tonnen. Das UBA begründete dies vor allem mit der kühleren Witterung in der Heizperiode. Das
Tempo beim Umstieg auf klimafreundliche Energien sei noch zu niedrig - obwohl mehr Wärmepumpen verkauft wurden.
Schneider nannte Wärmepumpen einen «Hoffnungsträger»- neben Elektroautos, deren Kauf die Koalition fördern will, die erneuerbaren Energien und den Wald. Der Wald habe 2025 mehr CO2 aufgenommen als er ausstoße.