Deutsche Wirtschaft schafft Mini-Wachstum trotz Iran-Krieg
Autor: Jörn Bender und Christian Ebner, dpa
, Donnerstag, 30. Juli 2026
Die deutsche Wirtschaft trotzt den globalen Konflikten und Spannungen. Doch der ersehnte kräftige Aufschwung lässt auf sich warten. Und die Inflation zieht wieder sprunghaft an.
Inmitten aller Krisen zeigt sich die deutsche Wirtschaft mit dem dritten Wachstumsquartal in Folge widerstandsfähig. Trotz der Belastungen durch den Iran-Krieg legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auch im Frühjahr minimal zu: 0,2 Prozent Plus zum Vorquartal errechnete das Statistische Bundesamt für April bis Juni 2026 auf vorläufiger Basis. Auch die Wirtschaft im Euroraum wuchs mit 0,4 Prozent doppelt so stark wie erwartet.
Dass die Wiesbadener Statistiker zugleich für die deutsche Wirtschaft den Wert für das erste Quartal von 0,3 Prozent auf 0,4 Prozent nach oben setzten, werten Volkswirte als Signal dafür, dass die konjunkturelle Erholung ausgeprägter ist als gedacht. Allerdings zog die Teuerung im Juli wieder sprunghaft auf 2,8 Prozent an, was den Konsum bremst.
Wie es konjunkturell für Europa und Europas größte Volkswirtschaft Deutschland weitergeht, hängt maßgeblich davon ab, wann der Konflikt zwischen USA und Iran gelöst ist.
«Von selbsttragendem Aufschwung weit entfernt»
«Das Wachstum von 0,2 Prozent ist ein erfreuliches Signal, aber längst kein Befreiungsschlag», sagt Volker Treier, Außenwirtschaftschef der Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), mit Blick auf Deutschland. «Nur dank massiven, überwiegend mit Krediten finanzierten öffentlichen Investitionen hat die deutsche Wirtschaft den Iran-Schock bisher besser verkraftet als befürchtet. Von einem selbsttragenden Aufschwung sind wir weit entfernt.»
Die fragile Lage am Persischen Golf inklusive heftiger Schwankungen bei den Öl- und Gaspreisen bleibt eine Belastung für die von Rohstoffimporten abhängige deutsche Wirtschaft. «Die heutigen Zahlen unterstreichen, dass die deutsche Wirtschaft derzeit vor allem unter internationalen Spannungen leidet. Umso wichtiger ist es, jetzt die binnenwirtschaftliche Nachfrage zu stabilisieren», analysiert Christian Breuer, Konjunkturexperte des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.
Teuerungsrate zieht sprunghaft an
Positive Impulse kamen im zweiten Quartal vom Außenhandel: Die Exporte nahmen den vorläufigen Daten zufolge gegenüber dem Vorquartal zu. Dagegen gingen die Investitionen zurück, obwohl der Staat gewaltige Milliardeninvestitionen in Straßen, Schienen und Verteidigung angeschoben hat.