Deutsche Waffenfirmen an der Börse
Autor: Wolf von Dewitz, dpa
, Freitag, 20. März 2026
Die Liste ist nicht lang, aber sie wird länger: Mit Vincorion ist eine weitere deutsche Rüstungsfirma an der Börse, andere sind schon da. Es geht um Panzer, Schiffe, Munition und Meerestechnik.
Mit dem Zulieferer Vincorion wagt eine weitere deutsche Rüstungsfirma den Sprung auf das Börsenparkett. Für Freitag ist der erste Handelstag mit Anteilsscheinen des Unternehmens aus Wedel bei Hamburg vorgesehen. Seit Beginn des Ukraine-Krieges boomt die Branche, die Nachfrage nach Waffen und Rüstungsgütern ist groß. Das macht den Markt auch für Investoren attraktiv. Aber welche deutsche Waffenschmiede ist überhaupt an der Börse? Ein Überblick.
Der Debütant: Vincorion
Der Firmenname ist ein Kunstwort, zusammengesetzt aus dem lateinischen vincere (siegen) und dem Sternbild Orion. Als unrealistischen Griff nach den Sternen möchte das Management den Börsengang nicht verstanden wissen, zu Höherem berufen sieht sich die Führungsriege des nicht allzu großen Unternehmens mit 900 Beschäftigten aber durchaus. 2025 kam Vincorion auf einen Umsatz von 240 Millionen Euro, zum Gewinn wurden keine Angaben gemacht. Der Gesamtauftragsbestand lag zum Jahreswechsel bei rund 1,1 Milliarden Euro. Von dem Börsengang verspricht sich die Firma eine größere Bekanntheit auch unter Investoren.
Die Firma gehörte bis 2022 zum Thüringer Technologiekonzern Jenoptik, dann übernahmen britische Investoren namens Star Capital das Unternehmen. Für die Briten war das ein gutes Timing, da die Nachfrage nach Rüstungsgütern rasant anstieg. Nun machen sie Kasse. Star Capital bleibt Hauptaktionär. Vincorion stellt Mechatronik, Generatoren und andere Energielösungen her, die Teile sind etwa in Panzern und Flugabwehr-System verbaut.
Der Branchenprimus: Rheinmetall
Deutschlands größte Waffenschmiede hat einen steilen Wachstumskurs hinter sich, die Auftragsbücher sind prallvoll. Ob Umsatz, Auftragsbestand oder Betriebsergebnis - ein Höchstwert der Düsseldorfer Firma folgt dem anderen. Rheinmetall verkauft Panzer, Artillerie, Munition, Militär-Lkw und Drohnen. Das Produktportfolio wurde erweitert, nach Zukäufen und Firmengründungen hat es inzwischen auch Schiffe, Satelliten und Rumpfteile für den US-Tarnkappenbomber F35 im Sortiment.
Bis 2030 möchte Rheinmetall seinen Umsatz auf 50 Milliarden Euro verfünffachen, die Beschäftigtenzahl soll von 33.000 auf 70.000 mehr als verdoppelt werden. Die steigenden Firmenzahlen kommen an der Börse gut an: War eine Rheinmetall-Aktie kurz vor Beginn des Ukraine-Krieges noch knapp unter 100 Euro wert, so sind inzwischen mehr als 1500 Euro fällig. Die Erwartungen von Finanzanalysten sind inzwischen aber so hoch, dass selbst gute Zahlen zuletzt für etwas Ernüchterung sorgten und der Aktienkurs sank.
Die Traditionsfirma: Renk
Die Augsburger Firma mit 4400 Mitarbeitern schwimmt ebenfalls auf der Erfolgswelle und freut sich über Firmenhöchstwerte beim Umsatz (1,4 Milliarden 2025, ein Fünftel mehr als ein Jahr zuvor) und beim Auftragsbestand (6,7 Milliarden Euro, ein Drittel mehr). Die 1873 gegründete Traditionsfirma fertigt Getriebe, die in Panzern und Artillerie-Fahrzeugen verbaut werden. Das Wachstum soll weitergehen. Seit seinem Börsenstart vor gut zwei Jahren hat sich der Wert einer Renk-Aktie in etwa vervierfacht. Allerdings ging es auch für Renk - ähnlich wie für Rheinmetall - in den vergangenen Monaten wieder etwas runter. Dennoch bleibt das Kursniveau hoch.
Der Elektroniker: Hensoldt
Die frühere Sicherheitselektronik-Sparte von Airbus ist schon seit 2020 an der Börse. Zunächst hielten sich Anleger doch eher zurück, zu Beginn des Ukraine-Krieges lag der Börsenkurs in etwa so hoch wie beim Börsenparkett-Debüt. Doch die russische Bedrohung und die damit verbundene Aufrüstung von Nato-Staaten führten auch bei Hensoldt zu guten Geschäften. Inzwischen ist ein Anteilsschein etwa sechsmal so viel wert wie zu Kriegsbeginn. Hensoldt stellt Radarsysteme und Sensoren für Flugabwehr-Systeme, Flugzeugen, Drohnen und Schiffe her. Die Technik soll eine nahende Bedrohung frühzeitig erkennen, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Die Firmenzentrale von Hensoldt ist in Taufkirchen im Münchner Umland.