Sage und schreibe eine Million Glücksspiel-Automaten stehen in den USA, viele von ihnen in Las Vegas. Geräte made in Germany findet man bislang kaum. Das soll sich ändern.
Deutschlands größter Glücksspielkonzern Merkur möchte jedes Jahr Tausende Spielautomaten aus Ostwestfalen nach Nordamerika exportieren. Nach der Übernahme einer kleinen US-Firma im vergangenen Jahr habe man dort einen Fuß in die Tür bekommen und verkaufe dieses Jahr bereits 800 bis 1000 Automaten in die Vereinigten Staaten und nach Kanada, berichtet Vorstandschef Lars Felderhoff. «In drei Jahren sollen es pro Jahr 5000 sein und danach noch mehr.»
Hergestellt würden die Automaten komplett in dem Werk Lübbecke unweit der Firmenzentrale im ostwestfälischen Espelkamp. «Wir sind jetzt im amerikanischen Markt und wollen dort stark wachsen.» Merkur hieß früher Gauselmann, 2024 wurde die Firma umbenannt.
In den USA gibt es schätzungsweise eine Million Spielautomaten, ein nennenswerter Teil von ihnen steht in Las Vegas (Nevada). Dort hat auch Gaming Arts seinen Sitz; die 2025 von Merkur übernommene Firma hat rund 60 Beschäftigte. Sie entwickelt Geldspielgeräte, Bingo-Spiele sowie elektronische Tisch-Spiele. Künftig fokussiert sich Gaming Arts auf Software, die Hardware - die Automaten - kommen aus Ostwestfalen.
Weltweit sind Firmenangaben zufolge derzeit mehr als 100.000 Spielautomaten in Betrieb, die von Merkur hergestellt wurden und für die Merkur noch Mietzahlungen oder einen Umsatzanteil bekommt. Künftig soll die Geräteanzahl durch die USA-Expansion deutlich steigen.
Ein deutscher David gegen amerikanische Goliaths
Felderhoff rechnet sich dabei gute Chancen aus, da es in den USA eine starke Marktkonzentration gegeben habe. «Aus etwa zehn Automaten-Anbietern sind nur noch drei Wesentliche geworden, die Vielfältigkeit hat abgenommen», sagt der Manager der Deutschen Presse-Agentur. «Die Casino-Betreiber lechzen nach anderen Anbietern, um nicht nur von diesen wenigen Großen abhängig zu sein.»
Man trete als David gegen Goliath an, sagt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Merkur, Manfred Stoffers. «Die Amerikaner kämpfen gegen die Uniformität und Eintönigkeit des heimischen Automatenmarktes - das ist unsere Chance.» Die großen Automaten-Anbieter in den USA heißen Aristocrat Gaming, IGT und Light & Wonder. Neben dem Automatengeschäft möchte Merkur sein USA-Geschäft mit dem Verkauf und der Vermietung von virtuellen Spielen ausweiten - sowohl für Online-Spiele als auch für Spiele auf Automaten in Kasinos.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Firma aus Espelkamp den Sprung in die USA wagt. 1998 bekam eine US-Tochterfirma eine Herstellerlizenz in Nevada. Der Erfolg war mäßig, 2008 wurde die Tochterfirma an einen US-Konkurrenten verkauft.