Trotz Krisen: Deutschland exportiert im Juni mehr als jemals
Autor: Alexander Sturm und Christian Ebner, dpa
, Freitag, 07. August 2026
Die schon totgesagte Exportnation Deutschland schlägt sich im Welthandel unerwartet robust. Im Juni stiegen die Ausfuhren den fünften Monat in Folge. Eine Entwicklung macht aber Sorgen.
Überraschender Lichtblick für die deutsche Wirtschaft: Trotz Iran-Krieg, Ölpreisschock und US-Zöllen sind die deutschen Exporte im Juni auf einen Rekord gestiegen. Waren im Wert von 139,3 Milliarden Euro gingen in alle Welt, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilt. Das waren 0,9 Prozent mehr als im Mai und 6,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Erfolge der deutschen Exporteure stützten die deutsche Wirtschaft, die nach langer Flaute mit dem historischen Niedrigwasser am Rhein vor neuen Problemen steht.
«Noch nie wurden in einem Monat kalender- und saisonbereinigt so viele Waren exportiert wie im Juni 2026», schrieben die Statistiker. Der Rekordwert bei den Ausfuhren übertraf den bisherigen Höchststand von 139,1 Milliarden Euro aus dem September 2022 leicht. Die Zahlen sind allerdings nicht um die Inflation bereinigt, sodass ein Teil der Steigerung auf höhere Preise zurückzuführen ist. Das gilt gleichermaßen für Ein- und Ausfuhren.
«Optimismus, aber noch keine Entwarnung»
Die deutschen Exporte sind im Juni bereits den fünften Monat in Folge gewachsen. Solch eine Serie habe es lange nicht gegeben, schreibt Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank. Mit Ausnahme des Januars legten die Ausfuhren im gesamten bisherigen Jahr zu.
Das Exportwachstum gebe Anlass zu Optimismus, meint DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. «Für eine wirtschaftliche Entwarnung ist es aber zu früh.» Die Aussichten im Welthandel blieben trüb: «Die andauernden Spannungen und Kriege im Nahen Osten, die geschlossene Straße von Hormus sowie die drohende Sperrung der Meerenge Bab el-Mandab belasten Handelsrouten und Lieferketten zwischen Europa und Asien.»
«Die Wachstumsaussichten für Deutschland hellen sich leicht auf. Dank solider Exporte im innereuropäischen Handel hat der Iran-Krieg die wirtschaftliche Erholung zwar verzögert, aber nicht gestoppt», sagte die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Tanja Gönner, der dpa. «Nach vier Jahren weitgehender Stagnation brauchen Unternehmen in Deutschland jedoch mehr als einen leichten Aufschwung: Wir müssen auf einen kräftigen und langfristigen Wachstumspfad kommen.» Erforderlich sei es dafür, Wettbewerbsnachteile durch Strukturreformen abzubauen.
Für das gesamte erste Halbjahr ergibt sich ein Exportwachstum um 3,7 Prozent auf 816,6 Milliarden Euro, während die Importe um 4,4 Prozent auf 711,6 Milliarden Euro zulegten.
US-Geschäft schrumpft, Europa als Säule
Als Säule für die deutschen Exporteure erwies sich im Juni erneut das Geschäft mit den EU-Staaten, in die Ausfuhren von fast 80 Milliarden Euro flossen - 1,3 Prozent mehr als im Vormonat. Die Exporte nach Großbritannien zogen zudem um fast acht Prozent an auf ein Volumen von gut sieben Milliarden Euro.