Der Weg zum Heizungsgesetz: Worum geht es in Karlsruhe?
Autor: Jacqueline Melcher und Katharina Kausche, dpa
, Donnerstag, 26. Februar 2026
Mit dem Heizungsgesetz wollte die Ampel-Regierung das Heizen in Deutschland klimafreundlicher machen. Es hagelte Kritik - auch am Gesetzgebungsprozess. Ein Abgeordneter klagte in Karlsruhe.
Kaum ein anderes Vorhaben der Ampel-Regierung löste so hitzige Diskussionen aus wie das Heizungsgesetz. Während rund zwei Jahre nach Inkrafttreten der umstrittenen Neuregelung die schwarz-rote Koalition Kernpunkte wieder abschafft, steht in Karlsruhe der parlamentarische Prozess hinter dem Gesetz erneut auf dem Prüfstand.
Das Bundesverfassungsgericht verhandelte am Donnerstag die Klage des ehemaligen Unionsabgeordneten Thomas Heilmann, der die Verabschiedung des Gesetzes im Sommer 2023 mit Hilfe der Verfassungsrichter ausbremste. Ein Urteil der höchsten deutschen Richterinnen und Richter fällt in der Regel erst einige Monate später. Die wichtigsten Fragen und Antworten:
Was ist das Heizungsgesetz?
Die Reform des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) - oft als Heizungsgesetz bezeichnet - zielte darauf ab, durch einen schrittweisen Austausch von Öl- und Gasheizungen das Heizen in Deutschland klimafreundlicher zu machen. Sie sieht im Kern vor, dass jede neu eingebaute Heizung mit 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden soll. Es gibt aber umfassende Übergangsregeln. Das Gesetz ist seit Anfang 2024 in Kraft.
Was kritisiert der Kläger?
Der ehemalige CDU-Abgeordnete Heilmann sieht sich durch das überhastete Gesetzgebungsverfahren 2023 in seinen Rechten als Parlamentarier verletzt. Es gehe allerdings nicht um ihn alleine, sagt er, «sondern um das Recht aller Abgeordneten auf ausreichende Beratungszeit». Es habe sich eine Praxis eingeschlichen, dass Abgeordnete teils am Vorabend einer abschließenden Beratung noch auf hunderten Seiten umfangreiche Änderungen vorgelegt bekämen. «Da haben Sie kaum Zeit, es zu lesen, geschweige denn zu verstehen», sagte Heilmann in Karlsruhe. Das Gebäudeenergiegesetz war laut ihm ein «extremer Fall von vielen».
Wie lief das Gesetzgebungsverfahren ab?
Zunächst hatte das Ampel-Kabinett einen Gesetzesentwurf beschlossen. Aber noch vor der ersten Lesung im Bundestag vereinbarten die Koalitionäre weitere Änderungen, die sie in teils vage formulierten «Leitplanken» festhielten - ein ungewöhnliches Verfahren, das dazu führte, dass eine erste Expertenanhörung zu dem dann schon veralteten ursprünglichen Gesetzentwurf stattfand.
Am 7. Juli 2023 sollte das Heizungsgesetz im Bundestag unmittelbar vor der parlamentarischen Sommerpause beschlossen werden. Die Koalitionsfraktionen legten wenige Tage vorher einen Änderungsantrag vor. Dass es zu diesem ungewöhnlichen Verfahren kam, lag auch daran, dass insbesondere die Koalitionspartner Grüne und FDP miteinander stritten, Kompromisse kamen erst in letzter Sekunde zustande.
Dem Unionspolitiker Heilmann ging das alles zu schnell. Er stellte beim Bundesverfassungsgericht einen Antrag auf einstweilige Anordnung - mit Erfolg. Das Gericht stoppte die zweite und dritte Lesung vor der Sommerpause. Rund zwei Monate nach dem ursprünglichen Termin wurde das Heizungsgesetz dann am 8. September vom Bundestag beschlossen und passierte kurz darauf auch den Bundesrat. Am 1. Januar 2024 trat das Gesetz in Kraft.