Ende 2018 kündigte der Berliner Senat an, das ICC solle zu neuem Leben erweckt werden. Als denkbar galt vieles. Die Berliner Immobilienmanagementgesellschaft nannte folgende Einschränkungen: «Ausgeschlossen sind dabei Nutzungen wie ein Bordell, eine Spielbank oder vergleichbare Zwecke.»
Wird das ICC ein Centre Pompidou in Berlin?
Bei einem Interessenbekundungsverfahren sind im Jahr darauf gut ein Dutzend Vorschläge eingereicht worden – vom Kongresshotel bis zum Gewächshaus. Seit dem gleichen Jahr steht der Stahlriese unter Denkmalschutz.
Vor allem Wirtschaftssenator Stephan Schwarz unternahm anschließend einige Anstrengungen, das Thema ICC wieder auf die politische Agenda zu setzen. «Ich habe keinen Zweifel, dass das ICC ein regelrechter Magnet werden kann, wie es das Centre Pompidou in Paris seit den 70er Jahren sehr erfolgreich vorlebt», sagte er im August 2022.
Das 1977 eröffnete Kunst- und Kulturzentrum der französischen Hauptstadt beherbergt unter anderem ein Museum für Moderne Kunst und eine Bibliothek. Schwarz war durchaus bewusst, dass es ein langer Weg sein würde, aus dem ICC ein Centre Pompidou zu machen.
Da ist zum Beispiel ein immenser Sanierungsbedarf. Der Senator wies auf eine Kostenschätzung aus dem Jahr 2012 hin: 330 Millionen Euro. «Das hat sich natürlich längst überlebt.» Er sah das sportlich: «Ich will alles dafür tun, damit wir vorankommen und dieses großartige Gebäude den Berlinern zurückgeben», betonte er.
2021 und 2022 öffnete das Gebäude erstmals für Kulturveranstaltungen. Im Jahr darauf war das Gebäude 48 Stunden lang für eine breite Öffentlichkeit kostenfrei zugänglich. Im September 2025 öffnete das stillgelegte Kongresszentrum für das Projekt «49 h ICC» noch eine Stunde länger.
Wer betreibt künftig das ehemalige Kongresszentrum?
Neben Architekturführungen und Zeitzeugengesprächen gab es dabei auch Aktivitäten wie Yoga, Cycling und Running oder Lichtschwert-Workshops. Tausende von Besuchern nutzten die Gelegenheit, sich das Raumschiff von innen anzusehen.
Im Spätherbst 2024 startete dann der internationale Wettbewerb zur künftigen Nutzung des riesigen Gebäudes. Das Land Berlin kündigte an, das ICC per Erbbaurecht für 99 Jahre an einen Betreiber abgeben zu wollen.
Im vergangenen Oktober gab die Wirtschaftsverwaltung bekannt, dass das Konzeptverfahren nur noch mit einer Bieter-Gruppe aus mehreren Unternehmen fortgeführt werde. Andere Bewerber hätten die Anforderungen im Teilnahmewettbewerb nicht in ausreichendem Maß erfüllt und seien daher nicht zur nächsten Runde zugelassen worden, argumentierte die Wirtschaftsverwaltung.
Nach einem Bericht der «Berliner Morgenpost» sollen die Betreiber des Leipziger Kunst- und Kreativkomplexes Spinnerei das ICC künftig betreiben. Die koordinierende Rolle übernehme die MIB AG mit Sitz in Berlin und Leipzig. Die Wirtschaftsverwaltung teilte dazu auf dpa-Anfrage mit, der Senat werde sich am Dienstag mit der Vorlage zu dem Thema befassen. «Wir stellen die offizielle Vergabeempfehlung des Steuerungsausschusses am Mittwoch wie geplant vor.»