Wolfgang Grupp spricht in einer Biografie offen über Machtkämpfe in der Familie und den Kampf gegen die Altersdepression. Was das neue Buch sonst noch enthüllt.
Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp steht wie kaum ein anderer deutscher Unternehmer für Disziplin, Dauerpräsenz und das Prinzip, dass ein Firmenchef nicht nur Zahlen verantwortet, sondern auch Haltung. Das neue Buch «Wolfgang Grupp: Die autorisierte Biografie», das heute erscheint, widmet sich nun den Höhen und Tiefen seines Lebens - wenige Tage vor seinem 84. Geburtstag an diesem Samstag (4. April).
Grupp führt seit 1953 Tagebuch
Die Arbeiten für das Buch beginnen laut dem Autor Volker ter Haseborg ein halbes Jahr bevor Wolfgang Grupp versucht habe, sich in seinem Haus selbst zu töten. Grupp erzählt ihm darin, dass er seit 1953 Tagebuch führe, «damals war er elf Jahre alt». Für den 7. Juli stehe in seinem Tagebuch: «4.45 Uhr Suizidversuch». «Es war ein Fehler, eine Kurzschlusshandlung», sagt Grupp in der Biografie rückblickend. Er selbst habe kaum Erinnerungen an diese Stunden.
Schon im Prolog fragt sich Grupp, ob das Kapitel überhaupt in das Werk gehört, ob man nicht vor dem 7. Juli 2025 einen «Cut» machen könne. Die Antwort seiner Frau Elisabeth fällt eindeutig aus: «Das Kapitel muss geschrieben werden.» Er könne Menschen helfen, indem er über seine Erkrankung spreche. «Es ist Teil deines Lebens.»
Die Geschichte der Grupps
Die Biografie beschreibt auch den Ausgangspunkt einer Altersdepression, die der Senior zusammen mit dem Suizidversuch öffentlich gemacht hat. Anfang 2024 übergibt er die Geschäfte des Textilherstellers an seiner Kinder und stürzt danach in eine persönliche Krise. Er sagte, nach 55 Jahren Verantwortung habe ihn plötzlich das Gefühl erfasst, nicht mehr gebraucht zu werden.
Allgegenwärtig in seiner Lebensgeschichte: die Familie. Es geht auch um den Machtkampf mit seinem Vater Franz, den er für sich entscheiden kann. Wie er seine Frau kennenlernt und heiratet («Die Hochzeitstorte muss mit einem Gabelstapler hereingefahren werden»), wie er den Chefposten an seine Familie abgibt und sich danach nur mit Mühe aus den Geschäften heraushalten kann.
Hinter den Kulissen
Gezeigt werden auch die nicht öffentlichen Seiten des Wolfgang Grupp - etwa wie er verunsichert wirkend vor einem Vortrag vor Unternehmern in Norddeutschland am Frühstückstisch in sein Wurstbrötchen beißt und nicht weiß, ob er den Auftritt meistern kann. «Manchmal scheint neben ihm ein zweiter, unsichtbarer Wolfgang Grupp mit auf der Bühne zu stehen. Einer, der sich den anderen, echten Wolfgang Grupp ansieht und ihn fragt: Was machst du da eigentlich?»
Mittlerweile achte die Familie Grupp darauf, dass keine allzu harschen Aussagen vom Senior in die Öffentlichkeit kommen. Auch bei einem Podcast-Interview werde darauf geachtet. «Die Trigema-IT hat sogar eine KI entwickelt, die das Protokoll des Podcasts auf Aussagen untersucht, die als anstößig empfunden werden könnten.» Und die schlägt auch an.