Das lahme Ross aus Zuffenhausen: Warum Porsche schwächelt
Autor: Julian Weber, dpa, und Marco Engemann, dpa-AFX
, Mittwoch, 11. März 2026
Für Porsche hatte sich bereits 2024 ein scharfer Gegenwind angedeutet. Im vergangenen Jahr kam es dann noch dicker. Probleme gibt es zuhauf, der Gewinn liegt in Trümmern. Wie reagiert der neue Chef?
Stolz prangt das Pferd in der Mitte des Porsche-Wappens. Es steht für Kraft und Agilität. Zu spüren ist davon aktuell aber wenig. Früher raste der Sportwagenbauer von Erfolg zu Erfolg - und spülte der Mutter Volkswagen einen großen Teil des Gewinns in die Kassen. Eine Absatzkrise in China, die US-Zölle und die Kehrtwende zum Verbrenner, die Milliarden verschlingt, haben aus Porsche aber einen Konzern im Krisenmodus gemacht. Bei manchem Aktionär gilt Porsche bereits als lahmendes Ross aus Stuttgart-Zuffenhausen.
Am Mittwoch (10.00 Uhr) legt das Unternehmen seine Jahreszahlen für 2025 vor. Präsentiert wird die Bilanz von Finanzvorstand Jochen Breckner und dem neuen Porsche-Chef Michael Leiters. Der Manager, der früher bei Ferrari und McLaren arbeitete, hat seinen Job zu Jahresbeginn angetreten. Für die Zahlen zeichnet er also nicht verantwortlich - er muss in den nächsten Monaten aber sehr wohl Wege finden, wie Porsche wieder auf die Erfolgsspur kommen kann.
Denn das ist dringend notwendig: Für den Volkswagen-Konzern ist die einstige Ertragsperle mittlerweile zur riesigen Belastung geworden. Aus der Bilanz der Wolfsburger ist bereits bekannt, dass der operative Gewinn massiv abgesackt ist - um 92,7 Prozent auf 413 Millionen Euro. Im Autogeschäft allein, also ohne Finanzdienstleistungen gerechnet, lag der operative Gewinn sogar lediglich bei 90 Millionen Euro. 2024 waren es noch rund 5,3 Milliarden Euro.
Der Gesamtumsatz sank um fast ein Zehntel auf rund 36,3 Milliarden Euro. Die vollständigen Geschäftszahlen - inklusive Nachsteuergewinn und dem Ausblick auf das laufende Jahr - folgen im Laufe des Tages.
Strategiewende belastet Porsche
Die größte Belastung für die Schwaben war eine strategische Kehrtwende, die Ex-Porsche-Chef Oliver Blume vor gut einem Jahr angestoßen hatte. Damals zeichnete sich ab, dass die ehrgeizigen E-Auto-Ziele des Managements nicht zu erreichen sind. Blume zog die Notbremse - und begründete das damit, dass die E-Mobilität sich in vielen Märkten deutlich langsamer entwickelt hat, als «wir und viele Experten es noch vor Jahren erwartet hatten». 2025 waren gut 22 Prozent der verkauften Porsche-Modelle reine Stromer.
Richten soll es angesichts der «Marktrealitäten und Kundenbedürfnisse» nun stattdessen ein Verbrenner-Comeback bis weit ins nächste Jahrzehnt. Auch von den einst großen Batterie-Plänen des Managements ist wenig übrig. Für den Schwenk rechnete Finanzchef Breckner im Herbst mit Sonderkosten von bis zu 3,1 Milliarden Euro für das gesamte Geschäftsjahr. Die Zölle in den USA fallen zudem mit rund 0,7 Milliarden Euro ins Gewicht.
«Wir nehmen bewusst vorübergehend schwächere Finanzkennzahlen in Kauf, um langfristig Porsches Resilienz und Profitabilität zu stärken», sagte Breckner damals. Der Manager gab sich aber auch zuversichtlich: Er ging davon aus, dass Porsche sich nach dem Tiefpunkt ab 2026 spürbar verbessern wird. VW-Konzernchef Blume sprach bei der eigenen Bilanzvorlage am Dienstag davon, dass er dieses Jahr einen Aufwärtstrend bei der Sportwagentochter erwarte.